Sankt Kilianskirche

Über die Baugeschichte unserer Sankt-Kilianskirche in Eutendorf ist wenig bekannt. Die ältesten Nachrichten stammen aus dem Jahre 1545. Damals sah die Kirche, abgesehen von der Innenausstattung, im wesentlichen schon so aus wie heute. 


In der Zeit zwischen 800 und 1000 entstand in Eutendorf eine kleine romanische Kirche mit Turmchor. Der Turm ist bis heute erhalten. das alte Kirchenschiff wurde abgerissen und durch das heute noch bestehende größere Kirchenschiff ersetzt. Der Rohbau war wohl 1343 fertig, denn an der westlichen Ecke der Südseite befindet sich ziemlich weit oben ein Stein mit der Inschrift "1343 in dem Stein ist mer Geschrift". 

Die Oberamtsbeschreibung berichtet: "Im Jahr 1816 oder 1817 soll nachgesucht. aber keine Schrift, sondern nur ein gewöhnliches Gläschen mit unkenntlichem vermodertem Inhalt gefunden worden seyn". 

Um das Jahr 1500 bekam die Kirche die größeren Fenster mit den heute noch vorhandenen schönen Maßwerken im gotischen Stil. Zur gleichen Zeit wurde auch die Kapelle in Großaltdorf umgebaut. Es ist anzunehmen. daß damals auch der Chor angebaut wurde - in Großaltdorf und in Eutendorf.

Im Inneren war die Eutendorfer Kirche wenig prunkvoll. Bis 1885 besaß sie eine flache niedrige Holzdecke auf der Höhe des Gesimses. das heute noch zu sehen ist und ein einfaches Gestühl aus Holzbalken. Der Spitzbogen im Durchgang zum Chor war bedeutend niedriger als heute. 1609 wurde eine Empore eingebaut. 

1884/85 erfolgte dann ein gründlicher Innen-Umbau im damaligen. überladenen Stil des Kaiserreichs. Davon hat man beim Umbau 1970/71 nur die Holzdecke im Chor belassen. Beim Treppenaufgang vom Wörthbach zur Kirche steht noch der im Jahr 1885 errichtete Taufstein. sein Vorgänger (von 1620) steht bis heute noch im Pfarrgarten. 

Die Orgel stammt von Orgelbaumeister Peter Vier und wurde am 23.10.1971 eingeweiht. Über 100 Pfeifen aus der alten 1913 in Gaildorf gebraucht gekauften Orgel sind in ihr noch verwendet worden. Auch vor 1913 hatte Eutendorf schon eine Orgel. Sie muß 1906 schon sehr alt gewesen sein, denn sie klang "schauerlich schön" (Pfr.Lotze). Nach 3 Monaten Gluthitze im Sommer 1911 war sie dann unbespielbar. 

Das große Bild links oben im Chor hat eine besondere Geschichte. Dort wo heute "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Joh.11f" steht, hieß es bis 1921: "Anno domini 1596 den 22. May starb der ehrwürdige und wohlgeborene Christoff Sturmkorb Pfarrherr zu Eutendorf. Anno dm. 1598, den 7. May starb die erbare und dugendsame Ursula Sturmkorbin seine eheliche Hausfrau. deren Seele Gottesgnade. Amen. 1599 " 

Es handelt sich also um eine Gedenktafel (Epitaph ) für den ersten evangelischen Pfarrer Eutendorfs und seine Frau und im unteren Feld sieht man die ganze Familie Sturmkorb abgebildet! Diese Gedenktafel wurde 1920/21 restauriert. Der Rahmen wurde dem Stil der Kirche angepaßt und dann diente es 1921 bis 1970 als Mittelteil des Ehrenmals für die Gefallenen der Weltkriege. 

Die anderen Bilder in unserer Kirche sind Altarbilder und stammen aus dem Jahr 1619. Damals wurde der Altar neu gestaltet mit diesen Bildern des Haller Malers Hieronymus Rappold. 

In unserem Turm hängen 3 Glocken. Sie wurden bis 1961 von Hand geläutet. Die größte stammt von 1511 und wurde von dem unter Fachleuten heute noch bekannten Glockengießer Lachamann in Heilbronn gegossen.

Die Umschrift lautet:
"Bernhard Lachamann gos mich 1511 Jesus Nazarenus rex Judaeorum." Die kleinste Glocke wurde bei Heinrich Kurtz in Stuttgart 1922 gegossen und trägt die Inschrift: "O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort."

Die mittlere Glocke wurde 1955 beschafft. Sie erinnert mit ihrer Inschrift: "1555-1955 Gottes Wort bleibet in Ewigkeit" an das 400-jährige Reformationsjubiläum in Eutendorf. Gegossen wurde auch diese Glocke bei Heinrich Kurtz in Stuttgart.

Erst seit 1841 befindet sich der Friedhof am südlichen Ortsausgang Eutendorfs in Richtung Gaildorf. Vorher umgab der "Kirchhof" die Kirche. Da das alte Kirchenschiff der Vorgängerkirche weiter nördlich lag, sitzt das heutige Kirchenschiff z.T. auf dem ehemaligen Friedhof. Bei den Baurnaßnahmen 1970 wurden unter der Kirche Knochen gefunden.

Der Kirchhof war umgeben von einer starken Wehrmauer, innerhalb derer im Kriegsfall das Vieh untergebracht war, während die Menschen im Wehrturm (er ist der älteste Teil der Kirche) Zuflucht suchten. Er hatte bis Anfang dieses Jahrhunderts aus diesem Grund nur einen Zugang im 1. Stock, auf Höhe des Läutraumkastens. Die heutige Sakristeitür wurde damals erst in den ehemaligen Turmchor gebrochen.

Vom Kirchhof zeugen heute noch zwei vollständig erhaltene Grabsteine an der Nordseite der Kirche, und wohl der untere Teil eines Grabsteins mit einem Gedicht oder Liedvers. Die beiden erhaltenen Grabsteine standen einst auf den Gräbern zweier ehemaliger Pfarrer:
"Johann Neh(e)r war von 1680 bis 1706 Pfarrer in Eutendorf, Frantz Erich Schellenbert von 1711 bis 1725.
Ihre Lebensgeschichte ist auf den Steinen zusammengefaßt und der Text der Leichenpredigt bildet das Ende.

W.+S. Knoche Eutendorf, im Mai 1991