Bartolomäus-Kirche

Die Sankt-Bartholomäus-Kirche in Großaltdorf ist neben Mittelrot und Münster eine der ältesten Kirchen der Gegend. Schon unter den Herren von Altdorf vor 1091 erbaut, war sie aber nie Sitz einer eigenen Pfarrei, sondern wurde von der Pfarrei Eutendorf mitbetreut. 


Noch bis vor etwa 25 Jahren (1965) fanden in Großaltdorf jährlich nur 6 Gottesdienste statt, wohl weil die Kirche nicht beheizbar war. Erst seit der Renovierung bzw. Restaurierung in den Jahren 1963 bis 1965 wurde eine Heizung eingebaut. Die Orgel wurde 1968 eingebaut durch Orgelbaumeister Peter Vier aus Oberweier Kreis Lahr.

Derzeit (1991) finden Gottesdienste an dem 1. und 3. Sonntag und an Weihnachten, Ostern und Pfingsten (jeweils 2. Feiertag) statt.

Die Kirche dürfte zu Beginn das einzige ganz aus (Feld-)Steinen erbaute Gebäude in Großaltdorf gewesen sein. So wurde sie bei den zahlreichen Fehden und Kriegszügen des Mittelalters als "Wehrkirche" genutzt, in die sich Mensch und Vieh vor den raubenden und sengenden Soldaten retteten. Darauf deutet noch die Schießscharte auf der westlichen Giebelseite hin.

Ursprünglich gab es auch nur kleine romanische Rundbogenfenster; von denen noch zwei erhalten sind. Die übrigen Fenster wurden später vergrößert bzw. ins Mauerwerk gebrochen, z.T. im gotischen und zum Teil im noch späteren Renaissancestil.

Der gotische Chor wurde ebenfalls nachträglich angebaut; man beachte die anderen, gebrochenen Steine.

Sicher gab es im Inneren zunächst keine Sitzgelegenheit. Wohl erst im 15.Jahrhundert wurden einfache Sitzbalken 'angebracht 'und als "Kopfstütze" ein Rückenbalken. Dieser Zustand wurde auf der seitlichen Empore noch erhalten und ist in der linken Bankreihe unten noch sichtbar. Die bemerkenswerte gotische Holzdecke mit den schönen Ornamenten und der Lebensfreude ausstrahlenden Sonne ist das Werk eines Malers aus der Gegend. Sie trägt die Jahreszahl 1498.

Im Chor befindet sich das Gestühl der Herren von Limpurg, die dort bei ihrer Anwesenheit in Großaltdorf Platz nahmen. Es trägt ebenfalls die Jahreszahl, 1498, (dabei wurde für: "4" der obere Teil der 8 geschrieben). Die Wappen von Komburg und Limpurg sind in die Decke des Schiffes eingelassen. 

Ursprünglich befand sich im Chor ein kleiner Flügelaltar, in dessen Zentrum ein Madonnenbild stand. Dieser Altar wurde im letzten Jahrhundert an das Landesmuseum in Stuttgart verkauft und steht dort heute noch unrestauriert und unzugänglich im Magazin. Er wird als wenig bedeutend eingestuft.

Ebenso werden in Stuttgart ein geschnitztes Petrusbild und ein Kruzifixbild mit Diadem aufbewahrt. Beachtenswert sind die heute im Altarbereich angebrachten Tonplatten. Mit ihnen war früher, vor der Renovierung 1965, das gesamte Frauengestühl ausgelegt, die meisten Platten waren ausgetreten und unbrauchbar.

Ende des 16., Anfang des 17.Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung in ganz Deutschland sprungartig. Dies war die Zeit, in der in den meisten Kirchen zusätzliche Emporen eingebaut wurden. In Großaltdorf geschah dies laut der angebrachten Jahreszahl 1604. Im bald darauf folgenden Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 wurde die Bevölkerung dann infolge von Kriegshandlungen, Hungersnöten und Seuchen wieder gründlich dezimiert: oft starben ein Drittel bis die Hälfte der Bewohner, sogar ganze Orte starben aus.

Im sog. "Dachreiter" (dem Turm in Balken-Konstruktionen) der Großaltdorfer Kirche hängen 2 kleine Glocken. - Die Kapelle galt eine Zeitlang als Martinskapelle.

Der frühere Bürgermeister Eutendorfs, Emil Dietz, wies 1953 nach, daß die Kapelle dem Apostel Bartholomäus geweiht war und noch 1549 so bezeichnet wurde.

"1861 fand man unter dem Altar eine bleierne Kapsel, in welcher sich ein rotes Beutelchen mit der Aufschrift "reliquie timothei" fand, welches aber nur einige Harzstückchen enthielt, und ein zweites Beutelchen mit ähnlichem Inhalt nebst einem andern Gegenstand, scheinbar ein Stück aufgerollte Haut. 

Obenauf war ein Siegel mit dem Bild eines Bischofs und einige zerfressene Pergamentreste mit der Jahreszahl 1278"

(Pfarrbeschreibung Eutendorf, zitiert nach Pfarrer G. Hoffmann. Zur ältesten kirchlichen Geschichte des Bezirks Gaildorf, BWKG 28/1924 ) 

Die Kreuze an den Wänden der Kirche sind Weihekreuze, die bei Kirchweihfesten angebracht wurden.