Geschichtliches

Aus der Kirchengeschichte von Frickenhofen von Archivdirektor Dr. Hermann Ehmer, Stuttgart

 

Vor über 700 Jahren, am 22. Juli 1293, wurde Frickenhofen erstmals urkundlich erwähnt, und zwar in einer Urkunde des Grafen Eberhard von Württemberg, mit der dieser dem Kloster Lorch und dessen Besitzungen – darunter auch in Frickenhofen – seinen Schutz zusagte. Der Ort ist selbstverständlich älter, seine Gründung gehört vermutlich der so genannten älteren Ausbauzeit, also dem 6. – 7. Jahrhundert an.

 

Eine Kirche gab es in Frickenhofen sicher schon vor 1293. Von den Heiligen, denen sie geweiht war, nämlich Maria, Nikolaus und Katharina, könnte Nikolaus auf eine Kirchengründung im 11. oder 12. Jahrhundert hindeuten. Urkundlich wird die Kirche freilich erstmals 1488 erwähnt. Das Patronatsrecht in Frickenhofen, d.h. die Besetzung der Pfarrstelle, stand dem Kloster Lorch zu. Dieses gehörte – wie auch Frickenhofen – bis zur Reformation zum Bistum Augsburg.

 

Im Jahre 1525 war ein Wolfgang Kirschenesser Pfarrer in Frickenhofen. Dieser wurde von den aufständischen Bauern aus dem Limpurgischen und Gmünder Gebiet und anderen Herrschaften zu ihrem Kanzler, d.h. Schreiber, gemacht. Angehörige dieses Gaildorfer Bauernhaufens brannten nicht nur die Burg Hohenstaufen, sondern auch das Kloster Lorch nieder. Kirschenesser wurde deshalb nach Ende des Bauernkriegs in Schwäbisch Hall enthauptet.

 

 

Bild links: Kirschenesser-Gedenkplatte an der Kirche

Herzog Ulrich von Württemberg führte 1534 in seinem Land die Reformation ein. Auch auf die Klosterpfarreien wurden evangelische Prediger geschickt. Der erste evangelische Pfarrer in Frickenhofen war Georg Berger von Salzburg, der 1537 hierher kam und das Amt vermutlich bis 1548 versah. Das Kloster Lorch wurde in der Folgezeit aufgehoben und 1556 in eine Klosterschule verwandelt. Das Patronatsrecht in Frickenhofen wurde fortan vom Herzog ausgeübt. 

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Frickenhofen nach der Schlacht von Nördlingen 1634 von den siegreichen kaiserlichen Truppen verbrannt. Die Bevölkerung war deshalb 1641 gegenüber 1621 auf ein Viertel zurückgegangen, weshalb Frickenhofen damals vom Pfarrer von Täferrot versehen wurde. Da das Kloster Lorch seit 1630 wieder von Mönchen besiedelt war, wurden Versuche unternommen, die Klosteruntertanen zum katholischen Glauben zu bekehren. 1641 wird berichtet, dass diese Versuche in Frickenhofen teilweise Erfolg hatten. 1653 bitten die Einwohner von Frickenhofen wieder um einen eigenen Pfarrer unter Hinweis darauf, dass das Pfarrhaus wieder bewohnt werden kann. Bereits im darauf folgenden Jahr erhielt Frickenhofen wieder einen eigenen Pfarrer, der auch Schule hielt.

Ein Problem der Frickenhofer Pfarrei war – und ist – ihre große Ausdehnung und die zahlreichen Filialen, die den Dienst für den Pfarrer recht beschwerlich machten. Der Ort war außerdem bis 1802/03 herrschaftlich geteilt zwischen Württemberg, Limpurg und der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd, was oft Anlass zu Streitigkeiten gab. Die Gmünder Untertanen waren katholisch; 1743 wurden deren 24 gezählt.

Durch das rasche Wachstum der Bevölkerung im 18. Jahrhundert war die Kirche alsbald zu klein geworden. 1743 wurden in Frickenhofen nämlich 829 Einwohner gezählt, gegenüber 325 im Jahre 1655. 1743 musste deshalb eine neue Kirche errichtet werden. Die Kanzel stiftete 1749 ein Philipp Franz Hägele. Der Kirchturm wurde 1765 angebaut, eine Orgel wurde 1784 eingerichtet. Eine Innenerneuerung der Kirche fand 1875 statt; 1878 wurde eine Sakristei angebaut und eine neue Empore errichtet. 1905 wurde der Turm neu bedacht und mit vier Ecktürmchen versehen, um als Aussichtsturm dienen zu können. 1952/56 fand wieder eine Kirchenerneuerung statt.

Bild links: Über dem Hauptportal

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde über die Armut geklagt, in der die Einwohner von Frickenhofen lebten. Aus diesem Grunde wurde davon abgesehen, für das Gustav-Adolf-Werk zu sammeln. Die Gründung kirchlicher Vereine, wie sie für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg typisch ist, war in Frickenhofen wegen der vielen Filialen nicht möglich, jedoch bestand ein Kollekteverein der Basler Mission. 1923 wurde ein Jungfrauenverein gegründet, nach 1933 eine Mädchenjungschar. Eine Altpietistische Gemeinschaft mit 25-30 Mitgliedern wird 1905 in Mittelbronn erwähnt, 1935 eine solche in Birkenlohe. Eine Hahnische Gemeinschaft mit etwa zehn Mitgliedern bestand 1905 in Rotenhar, eine Süddeutsche Gemeinschaft 1950 in Frickenhofen selbst.

1905 zählte Frickenhofen 1486 Evangelische und 81 Katholiken, 1965 waren es 1120 Evangelische und 141 Katholiken. Die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommenen Vertriebenen begannen um diese Zeit wieder abzuwandern, gleichzeitig machte sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft bemerkbar, der zu einer weiteren Abnahme der Bevölkerung geführt hat. Derzeit (2004) zählt die Gemeinde 976 Evangelische.

Hermann Ehmer