Geschichtliches

Heute markiert die Evangelische Kirche in Gschwend unübersehbar den Ortsmittelpunkt, direkt am Marktplatz stehend. Die Chronik jedoch bemerkt: „Bevor in Gschwend ein Gotteshaus stand, mussten die Gschwender auf dem heute noch bekannten „Kirchenweg" zum Gottesdienst nach Kirchenkirnberg gehen, wo seit dem 12. Jahrhundert eine Kirche steht, und nach Frickenhofen, dessen erste Kirche auch schon im Mittelalter gebaut worden war. Die Honklinger gingen bis 1874 nach Fichtenberg zur Kirche."

Wie aber kam es zum ersten Kirchenbau in Gschwend? Die Chronik vermerkt dazu folgendes: „Seit 1707 gehörte Gschwend zum (durch Teilung der Grafschaft entstandenen) Limpurg-Gaildorf-Wurmbrandischen Landesanteil.

Die Gräfin Juliana Dorothea Louise von Wurmbrand hat das Verdienst, den ersten Fond zu einer Pfarrbesoldung, mit einem dazu gestifteten Kapital von 1000 Gulden angelegt zu haben. „Weil man aber nicht gleich Rath zum Kirchenbau wusste, wurde jener jährliche Kapitalzins unterdessen dem Schulmeister zum Genuss eingeräumt, mit der Bedingung, dafür zu Ausbreitung und Vermehrung christlicher Erkenntnis und Vermehrung an Sonn- und Feyertagen Betstunden zu halten. Endlich im Jahr 1758 erbot sich die Gemeine selbst, den Kirchenbau auf ihre Kosten zu bestreiten" und 1759 wurde die Kirche eingeweiht. Sie hatte einen quadratischen Grundriss und mitten auf dem Dach ein „in Schrauben hängendes Türmchen". Das Haus war solid aus hartem Baustein erstellt, innen durch je zwei an jeder Seite angebrachte Fenster sehr gut erleuchtet. Im Türmchen hingen zwei kleine, weithin tönende Glocken und eine Turmuhr. Die Kirche stand etwa am Platz des heutigen Cafe Weller. Aber nur hundert Jahre konnte dieser Bau der Pfarrgemeinde als Gotteshaus dienen. Beim Großen Brand von 1857 wurde sie ein Raub der Flammen. Mehrere Monate lang wurde Gottesdienst unter freiem Himmel gehalten, bis endlich ein Notdach über den Ruinen eine behelfsmäßige Unterkunft bot."

Der große Brand am 15. Juli 1857 veränderte die ehemalige Ortsmitte mit dem Marktplatz. Kirche und Schulhaus sowie mehr als 30 weitere Gebäude fielen den Flammen zum Opfer. Man nutzte das Gebot der Stunde und gestaltete den neuen Ortsmittelpunkt weiträumiger als vorher, wobei auch dem neuen Kirchengebäude im Zuge dieser Umgestaltung der heutige Standort zugewiesen wurde.

Die Gschwender Chronik von 1974 berichtet: „1861-63 wurde durch Oberbaurat von Leins aus Stuttgart die jetzige Kirche in einer Art Neugotik aus Stubensandstein vom Gemeindeberg errichtet. Über dem Westeingang (von den Einheimischen scherzweise „Löwentor" genannt) ist das Monogramm des Architekten zu erkennen. Die starke Verwitterung des Sandsteins machte 1936 eine Renovierung nötig, bei der auch die Wasserspeier entfernt wurden.

In den vergangenen 15 Jahren hat die Kirche einige Erneuerungen erfahren: Elektrisches Geläute und elektrische Heizung; der massiv gebaute, schwere Turmhelm musste 1968 einem leichteren, schiefergedeckten Turmdach weichen, das, am Boden fertig montiert und gedeckt, als Ganzes mittels eines riesigen Krans auf den Turm gehoben wurde 1970 wurde wieder eine Außenerneuerung vorgenommen, und in den Jahren 1971/72 bekam das Innere durch neue Bänke und Aufhellen der Holzteile eine freundlichere Atmosphäre."