Herbstsynode des Kirchenbezirks in Gaildorf

Die Delegierten der Gemeinden des evangelischen Kirchenbezirks trafen sich letzten Donnerstag im Gemeindehaus Gaildorf zur Herbstsynode. Neben der Beratung des Haushaltsplans 2017 wurden wichtige Weichenstellungen für die Zukunft des Bezirks vorgenommen.

Kirche als kraftvolles Salz

Beim Eröffnungsgottesdienst in der Stadtkirche betonte Dekan Uwe Altenmüller, dass Kirche unter den Menschen wirksam werden müsse als Kraft, die Verkrustungen löst, als prophetische Kraft, die auf Missstände aufmerksam macht, als konservierende Kraft, die Wichtiges erhält und als Kraft, die Menschen auf den Geschmack des Lebens bringt.

Sprachförderung und Familienarbeit

Durch die Tagung der Bezirkssynode im Gaildorfer Gemeindehaus führte auf kompetente und erfrischende Weise Ralph Schröder, seines Zeichens erster Vorsitzender des Gremiums.

Einstimmig und ohne Enthaltung beschloss das Gremium, die Sprachhilfe nach dem Denkendorfer Modell in die Trägerschaft des Kirchenbezirks zu übernehmen. Die Sprachförderung für Kindergarten- und Grundschulkinder gibt es im Bezirk schon seit 1977. Mit der Gründung des Diakonieverbandes Schwäbisch Hall war sie dort angesiedelt worden. Die bisherige Beschäftigung der Sprachhelferinnen auf Honorarbasis musste jedoch aus rechtlichen Gründen in ein Angestelltenverhältnis überführt werden. Aufgrund eines daraus resultierenden höheren Abmangels sah sich der Diakonieverband nicht weiter in der Lage, die Trägerschaft zu behalten, zumal das Angebot innerhalb des Verbands nur im Kirchenbezirk Gaildorf besteht. Dekan Altenmüller sieht gerade in Zeiten von Migrationsbewegungen einen erhöhten Bedarf an Sprachförderung. Deshalb ist er überzeugt, dass sich gerade jetzt die Kirche aus diesem Arbeitsfeld nicht zurückziehen darf.

Ebenso einstimmig sprach sich die Herbstsynode für die Einrichtung einer ständigen Diakonenstelle im Bereich des Jugendwerks aus. Mit der Schwerpunktsetzung auf Familienarbeit und Jungschar will man auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und den Kirchenbezirk fit für die Zukunft machen. Die bisherige 75% Projektstelle, die Mitte 2018 ausläuft, soll allerdings nicht verlängert werden. Bis zu zu deren Auslaufen stehen jedoch 275% an Personal zur Verfügung und danach auf Dauer 200%.
Finanziell stehen sowohl die Sozialstation als auch der Kirchenbezirk gut da und sind für die Zukunft gut gerüstet. Dies wurde aus den Berichten von Schwester Andrea Beck, ihrer Nachfolgerin Sabine Salifou als auch Dorothee Ehrmann von der Verwaltungsstelle Crailsheim deutlich. Somit bereitete der Beschluss des Haushaltsplanes 2017 keine Probleme.

Kirchliche Sichtweise in säkulare Gesellschaft einbringen

Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz

In seinem Bericht beschrieb Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und ganz Europa mit den Stichworten „weiter fortschreitende Säkularisierung“ und „religiöse Pluralisierung“. Dies erschwere das Unterrichten von Religion. Dennoch sei es unverzichtbar, dass Kirche ihre Sichtweise in den gesellschaftlichen Diskurs einbringe. Religionsunterricht vermittle eine wichtige Dimension des Menschseins und eine wichtige Methode der Welterschließung.

Pfarrplan und Reformationsjahr

Der neue Pfarrplan 2024 wirft bereits seine Schatten voraus. Wieder werden nach den Zielvorgaben der Landeskirche, die bislang noch nicht vorliegen, Stellen abgebaut werden müssen. Wie die Streichungen konkret umgesetzt werden, müssen wieder die Kirchenbezirke beschließen. Dazu soll ein Pfarrplan- und Strukturausschuss gebildet werden. Die Synode beschloss, dass dieser Arbeitskreis aus den Mitgliedern des Kirchenbezirksausschusses (KBA) sowie dem Schuldekan und einem Vertreter der Kirchlichen Verwaltungsstelle bestehen soll. Alle Kirchengemeinden, die nicht im KBA vertreten sind, sollen außerdem einen Vertreter delegieren. Dekan Uwe Altenmüller rief in seinem Bericht dazu auf, den Pfarrplan nicht als Problem zu betrachten, sondern als Lösung, welche die Landeskirche für ein Problem gefunden habe, das ausgelöst sei durch den stetigen Rückgang der Gemeindegliederzahlen und durch eine große Anzahl von Pfarrern, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Dennoch sei der Pfarrplan nicht gottgegeben, sondern könne durchaus diskutiert werden.

Erfreut zeigte sich Dekan Altenmüller  darüber, dass der Start ins Reformationsjahr bislang nicht zu einem neuen Konfessionalismus geführt habe, sondern zu einem Nachdenken über das Wesentliche des Glaubens und das ökumenische Miteinander gestärkt habe.

Andreas Balko