Nikolauskirche

Die Obergröninger Nikolauskirche wurde im 14. Jahrhundert von der Bauernschaft der Gemeinde als eine Chorturmkirche im romanischen Stil mit quadratischem Turmchor erbaut. Die Schießscharten im Turm weisen sie als eine Wehrkirche inmitten eines ummauerten Friedhofs aus. Über dem Langhaus befindet sich ein großer Raum, der als Schutzraum für die Dorfbewohner in kriegerischen Zeiten diente. Der Gmünder Kunstsachverständige Hermann Kissling meint, dies sei sicherlich nicht der erste Kirchbau am Ort gewesen. Das Patrozinium des hl. Nikolaus deute wohl auf einen früheren Kirchbau hin, der möglicherweise bis in die Zeit um 1100 reicht.

 

Abweichend vom romanischen Grundriss gibt es einzelne gotische Elemente, so zum Beispiel das Südportal, das gotische Fenster im Osten und das Kreuzrippengewölbe im Chor. Der fast quadratische Altarraum bildet das unterste Turmgeschoss. Hinweise auf das vorreformatorische Alter der Kirche, die einst dem hl. Nikolaus geweiht worden ist, zeigt die Sakramentsnische, in der ehemals die Hostien aufbewahrt waren. Auf ihr findet man die Jahreszahl 1427 in arabischen Zahlen eingehauen. Einen weiteren Hinweis auf das Mindestalter ist die von Bernhard Lachamann gegossene große Glocke von 1492 (die später umgegossen wurde), dessen Gießerei zwischen 1481 und 1526 zahlreiche signierte Glocken auch in unseren Raum, so zum Beispiel auch nach Eschach, geliefert hat. Der Glockenstuhl besitzt im Übrigen Schallöffnungen auf allen Seiten. Gäste im Pfarrhaus, die es nicht gewohnt sind, wachen morgens um halb sechs unweigerlich vom lauten Geläut der Glocken auf.

 

An der Nordwand im Chorraum erinnert ein Gedenkstein an Pfarrer Johann Schwab (1571 – 1613), der wohl als der erste evangelische Pfarrer von Obergröningen bezeichnet werden kann, der eine reiche Kinderschar hatte, wie ein Reliefbild zeigt, und zweimal verheiratet war. Es war der Limpurger Schenk Konrad IV. (1396 – 1482), der seit 1436, als er die Herrschaft Gröningen erwarb, das Patronat über die Kirche besaß, im selben Jahr noch den Chorraum umgebaut, mit einem Kreuzrippengewölbe versehen und sich in dessen Schnittpunkt mit seinem Wappen soz. „verewigt“ hat.

Apostelaltar

Ein einmaliges Kunstwerk der Kirche im spätgotischen Stil ist der Apostelaltar, der wahr-scheinlich aus der Werkstatt eines Gmünder Künstlers stammt (um 1525). Leider finden sich darüber keine schriftlichen Aufzeichnungen, die es nämlich erst seit 1571, als das älteste Kirchenbuch angelegt wurde, gibt.

 

Christus steht im Mittelpunkt der Apostelschar, die er aber an Größe überragt. In seiner linken Hand hält er die Weltkugel mit dem aufgesteckten Kreuz, sein rechter Arm ist zum Segnen erhoben. Die zwölf Apostel tragen ihre charakteristischen Beigaben, wie Buch, Kelch oder Schlüssel, oder ihre Marterwerkzeuge, wie Schwert, Säge oder Kreuz. Sie sind in Dreiergruppen geordnet mit faltenreichen langen Gewändern, wobei die mittlere Figur jeweils etwas breiter und der Faltenwurf voller ist. Fest auf dem Boden stehend, drücken diese Figuren bäuerliche Erdverbundenheit und Lebenskraft aus. Der Habitus der Obergröninger Apostel ist „niederschwäbisch“, es sind (laut Kissling) „ungeschminkte Volkstypen unserer Landschaft“; die in ihren Bewegungen zwar etwas schwerfällig, aber sehr ausdrucksstark und plastisch wirken. Ursprünglich waren sie in einem spätgotischen Altarschrein, wie heute, im Chor zusammengestellt.

 

1719 wurde die Kirche um eine Empore an der Nordwand des Langhauses erweitert. Hier stand auch die alte Orgel, die 1970 ersetzt worden ist. Die aus einem Stück Lindenholz geschnitzten Figuren des Apostelaltares erhielten in Dreiergruppen einen Platz an der Brüstung dieser Empore, wo sie bis zum Zweiten Weltkrieg standen.

 

1940 bei Umbaumaßnahmen im Innern der Kirche und umfangreichen Reparaturen wurden die Figuren dann wieder von dort entfernt und in Dreiergruppen nebeneinander mit Christus in der Mitte über dem Chorbogen aufgestellt.

 

1953 restaurierte A. Hammer aus Ulm diese Plastiken und vereinigte sie in einem neuen Altarschrein im Chor, wo sie noch heute stehen. Die Einweihung des restaurierten Altars vollzog am 17. Januar 1954 Dekan Gerber aus Gaildorf.

 

1969/70 gab es wieder eine gründliche Renovierung der Kirche. Es wurden neue Bleiglasfenster (von Gudrun Müsse-Florin) auf der nördlichen Seite eingesetzt, ein neuer Klinkerboden gelegt, neues Gestühl und neue Lampen angebracht. Jetzt wurde die Empore von der Nordwand an die Westwand verlegt und mit Holz verkleidet, die alte Kanzel abgebaut und eine einfache, aber gut erhaltene Orgel (mit 4 Registern) auf dieser neuen Empore an der Westwand aufgestellt. Von 1940 bis 1970 war die alte Orgel im Chorraum hinter dem Altar gestanden und hatte dort die Sicht auf den Apostelaltar beeinträchtigt.

 

Kleinere Renovierungen gab es auch in den 90er Jahren: So wurde die Nikolauskirche 1995/96 außen und 1998 innen neu verputzt. Im Jahre 2000 schließlich bekam die Kirche eine neue Turmbekrönung (mit Kugel, Schaft, Kreuz, Sonne und Hahn), da die beinahe 80 Jahre alte Turmspitze nach den von „Lothar“ am 2. Weihnachtsfeiertag (26.12.1999) verursachten Sturmschäden am Kirchturmdach ersetzt werden musste. Im Innern der ziemlich maroden Kugel befand sich noch eine unversehrte Flasche mit einer richtigen Flaschenpost, nämlich interessanten Dokumenten aus dem Jahre 1922, die jetzt im Pfarramt aufbewahrt sind. Heute erstrahlt die Kirche mit ihrer schönen „Turmzier“ außen wie innen in neuem Glanz.

 

Weitere Kunstwerke in und außerhalb der Kirche, die ebenfalls Beachtung verdienen:

 

Der ehemals an der südlichen Außenwand angebrachte Gedenkstein von 1561 stellt betende Frauen dar, über denen ein Engel das Schweißtuch der Veronika ausbreitet. Die Namen sind verwittert. Um das Epitaph vor dem weiteren, endgültigen Verfall zu schützen, bestand das Landesdenkmalamt 1995 auf der Anbringung in der Kirche

(hinten in der Mitte der Westwand).

 

Der Chorraum an den Längswänden ist neben der Sakramentsnische gleich mit mehreren Gedenksteinen geschmückt.

 

Eine Inschrift besagt, dass der Taufstein an der Nordseite des Langhauses von Pfarrer Karl Roschmann (von 1622 bis 1635 in Obergröningen) gegen Ende seines Lebens im Jahre 1671 der Kirche gestiftet wurde.

 

Die Bleiglasfenster an der südlichen Langhauswand sind von V. Saile aus dem Jahre 1947 (Kreuzigung und Aufestehung).

 

Ein vergoldeter Silberkelch aus dem frühen 18. Jahrhundert von Franz Thaddäus Lang (1693 bis 1773, Abk. FTL), der Goldschmiedemeister in Augsburg war, dient noch heute als Gemeinschaftskelch bei Abendmahlsfeiern in der Gemeinde.

 

Eine klassizistische Grabsäule von 1804 auf dem Kirchhof von Georg Lorenz Jakob Leube (1733 – 1804, war von 1766 bis 1804 Pfarrer in Obergröningen; er hat auch die Kanzel in Untergröningen gestiftet), steht etwas abseits am Rande des alten Friedhofs und soll in absehbarer Zeit ebenfalls gerichtet und erneuert und dafür ein besserer Standort gefunden werden.

Glocken der Nikolauskirche

 

Der Glockenstuhl mit Schallöffnungen an allen Seiten birgt drei große Glocken, eine Stahlgussglocke und zwei kleinere Bronzeglocken. Die Hartstahlgussglocke ist die sog. „Betglocke“, die im Ton „f“ klingt. Die „Kreuzglocke“ aus Bronze klingt im Ton „as“ und trägt die Inschrift: „Er ist unser Friede“. Auf der „Taufglocke“ im Ton „b“ stehen die Worte: „Ihr müsset von neuem geboren werden“. Die beiden Bronzeglocken wurden vor mehr als 45 Jahren bei der Firma Kurz in Stuttgart zum Preis von 7400 DM gegossen und am 30. Januar 1956 auf dem Turm montiert und mit einem elektrischen Geläute versehen. Der damalige Pfarrer Werner Auer erinnerte daran, dass der Klang der Glocken das Nahesein Gottes verkünde.

 

Die älteste Glocke aus dem Jahre 1492 hatte ein Gewicht von 15 bis 16 Zentnern gehabt und war von Bernhard Lachamann aus Heilbronn im Ton „g“ gegossen worden.