Diamantene Konfirmation

Diamantente Konfirmanden und ihre katholischen ehemaligen Schulkameraden

25 Frauen und Männer aus der Nähe und Ferne trafen sich am 10. Juni 2012 in Oberrot anlässlich der Diamantenen Konfirmation. Mit dabei waren auch die katholischen ehemaligen Schulkameraden sowie die Partner.

 

Es war ein starker Jahrgang mit insgesamt 42 Jungs und Mädchen, den Pfarrer Alfred Kull am 30. März 1952 in einem einzigen Gottesdienst konfirmiert hatte. Zweieinhalb Stunden hatte die Feier damals gedauert.

 

Die Jubilare begannen ihren Festtag der Diamantenen Konfirmation mit einem feierlichen Gottesdienst in der Bonifatius-Kirche. Danach bestand den Tag über genügend Gelegenheit, um das Zusammensein zu genießen und alte Erinnerungen auszutauschen.

Ansprache an die Diamantenen Konfirmanden

Goldene Konfirmation 2002

Liebe diamantene Konfirmandinnen und Konfirmanden!
Ein weiter Bogen spannt sich von ihrer Konfirmation 1952 bis zum heutigen Tag.
60 Jahre sind vergangen.
Und die Welt hat sich seither verändert.

Ja, vor über einem halben Jahrhundert war vieles anders.

Als Sie eingeschult wurden, da war Krieg.
Sie haben auch das Ende des zweiten Weltkrieges bewusst erlebt.
Die Tiefflieger.
Und die bangen Stunden im Luftschutzkeller.

Ihre Kindheit war im Blick auf Geld meist bescheiden oder sogar ärmlich gewesen.
Aber Hunger leiden mussten die meisten wenigstens nicht.
Es gab keine so großen Unterschiede zwischen Ihnen, was Besitz und Wohlstand anging.
Und das hat die Sache einfacher gemacht.

Man hat auch miteinander geteilt.
Und man hat einander geholfen.
Gerade auch in der Landwirtschaft.

Sie haben auch viel miteinander gespielt.
Freundschaften sind entstanden, die zum Teil bis heute gehalten haben.

In der Schule waren immer zwei Klasse beieinander.
Sie erinnern sich an die Lehrer Rachelsky, Schimpf, Meng und an Frau Dietrich.

Sie hatten auch eine Lehrerin, die mit der großen Klasse nicht zurechtkam.
Die musste immer wieder ihre Schwester holen, die dann für Ordnung gesorgt hat.
Einmal, da haben Sie dem Lehrer Schimpf den Kirschbaum abgeräumt.
Und als Strafe mussten Sie alle miteinander in den Wald und für seine Frau Beeren sammeln.

Ja, vieles war anders damals.
Viel mehr als die heutigen Konfirmanden haben Sie auswendig lernen müssen im Religionsunterricht und im Konfirmandenunterricht.

Zunächst hatten Sie Pfarrer Walker.
Und wer seine Sprüche und Liedverse nicht auswendig konnte, musste nachsitzen.
Im Pfarrhaus wurde man verteilt und musste büffeln und sein Gehirn zermartern.
Nicht immer mit Erfolg.
Aber manches ist auch hängen geblieben.
Und von manchem profitieren sie noch heute.
Pfarrer Kull hat Sie damals konfirmiert.
Und ihn haben viele als netten Pfarrer in Erinnerung.

Sie waren ein großer Konfirmandenjahrgang.
19 Knaben und 23 Mädchen.
So ist es im Konfirmandenregister verzeichnet.
Insgesamt also 42 Konfirmanden.

Alle wurden an einem Sonntag in einem einzigen Gottesdienst konfirmiert.
Heute teilen wir 30 Konfirmanden auf drei Konfirmationen auf.

Kein Wunder, dass damals am 30. März 1952 die Konfirmation zweieinhalb Stunden gedauert hat.
Jeder musste 2-3 Fragen und Erklärungen des Kathechismus aufsagen - auswendig versteht sich.
Und dazu kamen noch viele gemeinsame Texte.
Das Herz hat dabei geklopft.
Nur nicht stecken bleiben.
Sonst würde man sich schwer blamieren.
So hat man es damals empfunden.

Über jedes Geschenk zur Konfirmation hat man sich damals gefreut wie verrückt.
Und wenn es nur eine Mark war.

Kein Vergleich zu dem, was Konfirmanden heute bekommen.
Und trotzdem erinnern sich viele an eine glückliche Kindheit und Jugend.

Dazu gehören die Erinnerungen ans Bad im Feuersee.
Die Abfahrten mit dem Schlitten im Winter.
Die Fahrradfahrt zum Waldsee.
Der Kinobesuch in Murrhardt.
Oder die abendlichen Nachhausewege nach dem Mädchenkreis Frau Kull.

Aber streng war es damals schon.
Und manche von Ihnen hatten besonders strenge Eltern.
Wenn man da zu spät nach Hause gekommen ist, konnte es sein, dass man mit 16 oder 17 noch eins an die Backe bekam.

Jung waren sie damals.
Und voller Energie und Tatendrang.
Das ganze Leben ist ihnen offen gestanden.

Viel ist seither geschehen.
Hat seine Spuren hinterlassen in Ihren Gesichtern und in Ihrem Leben.

Sie haben sich eine Existenz aufgebaut.
Viele von Ihnen haben eine Familie gegründet, Kinder bekommen, versorgt und großgezogen.
Sie haben gearbeitet.
Haben mitgeholfen, das sogenannte Wirtschaftswunder nach dem Krieg zu vollbringen.

Und nach Jahrzehnten der Berufstätigkeit sind Sie nun längst im Ruhestand.
Nur für die Hausfrauen hört die Arbeit nicht auf.

In den zurückliegenden Jahrzehnten haben sie hoffentlich manch gute Erfahrungen gemacht.
Erfahrungen des Glücks.
Erfahrungen des Erfolgs, der Liebe und des gelingenden Zusammenlebens.
Und hoffentlich dürfen sie die Früchte ihrer Mühen noch einige Jahre genießen.

Aber manche von Ihnen haben auch schmerzhafte Erlebnisse hinter sich.
Erkrankungen, die das Leben verändert haben oder den Verlust des Ehepartners.
Und auch einige Männer und Frauen aus Jahrgang sind bereits verstorben.

Ich wünsche Ihnen, dass Gott Sie auf Ihrem weiteren Lebensweg begleitet.
Dass er Ihnen möglichst noch lange Gesundheit schenkt.
Aber ich wünsche Ihnen auch, dass Gott Ihnen Kraft gibt, mit schmerzhaften Abschiede fertig zu werden.
Und dass er Ihnen hilft, die Lasten des Alters zu tragen.

 

Andreas Balko