Familienglück

Unter dem Motto „Vom Elternglück und strahlenden Sternen“ hatte die VHS-Außenstelle Oberrot in Kooperation mit der örtlichen Schule und den Kindergärten zu einem Vortragsabend eingeladen. Als Referent war es gelungen, den bekannten Kinder- und Jugendtherapeuten Dr. Thomas Fuchs aus Schwäbisch Gmünd zu gewinnen. Auf unterhaltsame, praktische und zugleich fundierte Weise zeigte er Wege auf, wie ein „Haus des Familienglücks“ entstehen kann. Dabei stellte er jedoch schnell klar: „Kinder sind nicht dazu da, uns Eltern glücklich zu machen.“ Wer sich für Kinder entscheide, entscheide sich für Konflikte. Als Verhaltenstherapeut ist Dr. Thomas Fuchs jedoch davon überzeugt: Man kann das Zusammenleben so gestalten, dass Erziehung und ein gedeihliches Zusammenleben in der Familie glücken können. Grundlegend ist dabei für Fuchs die Trennung von Person und Verhalten. Die Person des anderen ist auf jeden Fall OK, nur das Verhalten ist mitunter verbesserungsfähig.

Das vierfache Fundament:

Das „Haus des Familienglücks“ hat für Fuchs ein Fundament, das aus den vier wesentlichen Grundbedürfnissen eines Kindes besteht.
Grundbedürfnis Nummer eins ist das, was die Psychologie „Selbstwerterhöhung“ nennt. Fuchs meint damit, dass ein Kind auf sich stolz sein will. Dazu braucht es Eltern, die ihr Kind wertschätzen. Fuchs warnte: „Entwerten Sie niemals Ihr Kind, denn Kinder haben keine Schutzschicht. Sie sind wie CD-Rohlinge, in die sich alle Erfahrungen einbrennen.“ Das zweite Grundbedürfnis ist nach Fuchs die „Kontrolle“. Gemeint ist damit das Erleben, dass man sein Leben beeinflussen und bestimmen kann. Das dritte Grundbedürfnis ist „Lustgewinn und Unlustvermeidung“. Dabei geht es letztlich um die Frage, ob die Welt eher als Quell der Freude oder des Leids erlebt werden kann. Viertes und wichtigstes Fundament ist für den Therapeuten das Bedürfnis nach Bindung. Er ist überzeugt: „Kinder brauchen ein Nest der Geborgenheit und gute Beziehungen.“ Erziehung soll aus seiner Sicht kein Ziehen auf ein Ziel hin sein. Wichtig sei, dass heute und dass im Hier und Jetzt eine gute Beziehung existiert. Der Psychologe rät: „Schreiben Sie sich diese vier Grundbedürfnisse auf den Spiegel!“ Es darf auch mal was bei der Umsetzung schiefgehen, aber wenn über längere Zeit eines oder mehr dieser Grundbedürfnisse gestört sind, dann steigt die Gefahr einer psychischen Erkrankung!“

Erste Säule: Einzigartigkeit akzeptieren und Stärken stärken

Aufbauend auf dem Fundament der vier Grundbedürfnisse hält Fuchs vier Säulen für den Bau des Familienglücks für notwendig. Säule eins besteht daraus, dass die Einzigartigkeit des Kindes akzeptiert und dessen Stärken gestärkt werden. Eltern sollten nicht die Rolle von Richtern einnehmen, die bewerten und beurteilen, sondern die Rolle von Forschern, die die Stärken der Kinder entdecken. Der erfahrene Verhaltenstherapeut hatte dazu einige Tipps parat. „Seien Sie nicht nachtragend, das ist unheimlich anstrengend!“, oder „Liefern Sie sich nicht den inneren Stimmen aus, die Sie runterziehen und fertigmachen!“ „Katastrophieren Sie Ihr Kind und Ihre Situation nicht!“ Viel wichtiger ist es für Fuchs, die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken.  Er rät auch dringend dazu, das ständige Vergleichen mit anderen Kindern bleiben zu lassen, denn es sei eine Quelle des Unglücklichseins. Überhaupt schwäche die Sorge um das Kind das Kind.

Zweite Säule: Disziplin und Konsequenz

Wer bis zu diesem Punkt des Vortrags dachte, Dr. Fuchs würde vielleicht einem „laissez faire“ in der Erziehung das Wort reden, wurde bei der Präsentation der zweiten Säule eines Besseren belehrt, denn diese war mit „Disziplin und Konsequenz“ betitelt. Als „Erziehungsschrott“ bezeichnete er das zufällige Belohnen von unerwünschtem Verhalten, das Ignorieren von erwünschtem Verhalten, Inkonsequenz und das schlechte Beispiel, das Eltern geben. Körperliche Gewalt geht für Fuchs gar nicht und sei zudem völlig überflüssig. Er riet: „Verbringen sie mit Ihren Kindern regelmäßig Zeit ohne Medien“. „Jede Familie braucht eine überschaubare Anzahl von Familienregeln, die möglichst positiv formuliert sind“, „Wenn ein unerwünschtes Verhalten bleibt, braucht es eine möglichst logische, angemessene, umsetzbare und sofortige Konsequenz“. Wenn auch das nicht hilft, empfiehlt der Psychologe einen Auszeitraum wie das Gästeklo. „Da verbleibt das Kind dann so viele Minuten, wie es alt ist - und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem es ruhig ist“. Solch eine Auszeit biete Eltern und Kind die Möglichkeit, wieder „runter zu kommen“. Er rät: „Warten Sie bei einem unerwünschten Verhalten nicht ab, verlassen Sie Ihre Komfortzone und greifen Sie ein, sonst bekommen Sie später große Probleme!“

Dritte Säule: Gehobene Gestimmtheit, Gelassenheit und mentale Stabilität

Als „Gehobene Gestimmtheit, Gelassenheit und mentale Stabilität“ beschrieb der Referent die dritte Säule. Fuchs ist überzeugt: „Meine Gestimmtheit wird nicht von den Fakten bestimmt, sondern von meinem Bewerten“. Ein unerwünschtes Verhalten des Kindes solle man am besten als pädagogische Herausforderung begreifen, schwierige Situationen und eigene Fehler als mentales Fitnesscenter für die eigene Entwicklung und die Familie. Fuchs berichtet: „Es hilft, Menschen als strahlende Sterne zu begreifen, die sich eben mitunter ungünstig verhalten.“

Die vierte Säule: Das Seelenband erhalten

Die vierte vorgestellte Säule überschrieb Fuchs mit dem Satz: „Das Seelenband erhalten“. Erziehung gelinge am besten aus einer seelischen Verbindung auf der Basis von Liebe und Vertrauen.

Das Dach: Die elterliche Beziehung

Das Dach ist schließlich für Fuchs Symbol für die elterliche Beziehung. Eltern sollten wertschätzend, freundlich und gelassen miteinander umgehen, sich gegenseitig nicht entwerten und niemals versuchen, ihre Probleme miteinander über das Kind zu lösen. Wenn es gut geht, sind Eltern nach Fuchs sicherer Boden und das Dach, das für die Kinder Schutz gewährt und Geborgenheit gibt. So kann die Familie die Keimzelle für das Wohl der Gesellschaft sein.