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Die Oberroter Heimatstuben

Viele Oberroter Bürger ahnen nicht, dass sich unter dem bürgerlichen Kindergarten Pusteblume ein waschechter Atombunker befindet. Er beheimatet heute die Oberroter Heimatstuben, eine Sammlung von Gerätschaften aus vergangener Zeit.

Als der Kindergarten 1986/1987 gebaut wurde, war eine Unterkellerung wünschenswert, um Stauraum zu schaffen. Jedoch schien die Unterkellerung zu kostspielig zu sein. Der damalige Bürgermeister Günter Mayr war jedoch außerordentlich findig, wenn es darum ging, Zuschussmöglichkeiten aufzutun. Über den Katastrophenschutz erfuhr er, dass es ein Sonderprogramm des Bundes zur Schaffung von Schutzräumen gab. Damals herrschte noch der Kalte Krieg, und ein Atomschlag lag durchaus im Bereich des Vorstellbaren. Bürgermeister Mayr ergriff die Chance, und so konnte die Unterkellerung des Kindergartens in Form eines Atomschutzbunkers über das Programm zu 100% gefördert werden.
Für Heimatkundler Hans Brucklacher war die Schaffung des unterirdischen Raumes ein Glücksfall. Der damalige Oberroter Lehrer hatte an allen Stellen, an denen er vorher tätig war, begonnen, Museen einzurichten. Kaum in Oberrot angekommen, fing er an, Gerätschaften aus dem dörflichen Leben der Vergangenheit zu sammeln. Diese Gegenstände waren an mehreren Stellen untergebracht, denn es fehlte ein Raum, um sie zentral zu lagern. Auch wusste er noch von vielen weiteren Fundstücken, die er hätte bekommen können. Doch immer wieder stellte sich die Frage: „Wohin damit?“
Mit dem Atomschutzbunker bot sich nun eine einmalige Möglichkeit, all die Gegenstände zentral unterzubringen. Brucklacher bekam die Erlaubnis, sie im Atomschutzbunker einzulagern. Allerdings war dies mit der Bedingung verknüpft, alles rauszuschaffen, sobald der Bunker als solcher benötigt würde.
Zwischenzeitlich ist klar, dass es eine Illusion ist, man könnte den Bunker in einer angemessenen Zeit wieder leer räumen. Hans Bucklacher hat nämlich in den Jahrzehnten seiner Sammlertätigkeit eine Unzahl von Gegenständen in den Bunkerraum geschafft. Der Bauhof leistete ihm dabei treue Hilfe. So bleibt heute nur ein schmaler Gang zwischen all den Sammelobjekten. Zwischenzeitlich ist die Zeit aber auch längst abgelaufen, in der der Kellerraum bei Bedarf als Bunker zur Verfügung stehen muss, um die Förderfähigkeit zu gewährleisten.

Für die Ausstellungsstücke ist das trockene Klima im Bunker dank der konstanten Lüftung günstig. Die Kehrseite der Unterbringung im Bunker ist jedoch, dass sich nur selten Besucher der Oberroter Heimatstuben einfinden. Das Museum ist einfach zu gut versteckt. Hans Brucklacher übernimmt jedoch gerne Führungen von Gruppen durch seine unterirdische Schatzkammern. Und wenn er beginnt zu erzählen, dann gibt es kein Halten. Und dann erwachen die Gegenstände aus dem Dornröschenschlaf zum Leben.

Pfarrer Andreas Balko hat zusammen mit dem zwischenzeitlich 82-jährigen Hans Brucklacher ein Videoprojekt gestartet. Meter um Meter lässt er sich von dem profunden Heimatkundler die Gegenstände erklären und nimmt dabei alles auf Video in vierfacher Full HD Auflösung auf. So soll der Wissensschatz für die Zukunft gesichert werden.