Die Kirchenrenovierung von 1955

Weiter gegangen als ursprünglich beabsichtigt
Alte Unterlagen eröffnen einen Einblick in die tiefgreifenden Umbauten und ihre Hintergründe

Fragen

Viele, die mitverfolgen konnten, wie die Kirche sich von 1992-1994 wieder der Gestalt näherte, die sie vor dem Umbau 1955 hatte, fragen sich: Wie hat man so etwas Schönes nur beseitigen können? Mußten die Oberroter ihre so schöne Dolmetsch Kirche nicht lieben? Was hat die Gemeinde veranlaßt, alle Verzierungen zu begradigen und zu verstecken sowie die Ornamente abzulaugen oder zu überstreichen?

Antwortversuche

Man mag nach Antworten suchen. Ob man schlüssige findet nach fast vierzig Jahren, ist eine andere Frage. Und erst recht, ob diese Antworten den Menschen von damals wirklich gerecht werden können.
Eine Antwort mag in der Nachkriegszeit liegen. Man hatte schlimme Jahre hinter sich. Wollte man nun vielleicht die Vergangenheit abstreifen und sich nach vorne öffnen, indem man die Kirche modern umgestaltete?
Oder war es in erster Linie der Ruß, mit dem der alte Kanonenofen Wände und Bemalungen eingeschwärzt hatte, der den Wunsch nach einer helleren Kirche weckte?

Entdeckung

Wenn man die Unterlagen studiert, die aus dieser Zeit erhalten sind, macht man eine sehr interessante Entdeckung. Allem Anschein nach wollten die damaligen Gemeindeglieder zunächst nicht tief greifend in die Konzeption ihrer Dolmetsch-Kirche eingreifen. Sondern sie sollte nur heller werden. Dazu hatte man das Weißen der Wände in Blick genommen. Dem vom Oberkirchenrat beauftragten Bauberater aber war die Kirche in der Dolmetsch-Fassung wohl zutiefst zuwider. Gemeindegliedern gegenüber hatte er das Innere als wilhelminischen Kitsch bezeichnet, der "raus müsse". Und so drängte er die Verantwortlichen zu einem grundlegenden Umbau. Der Kirchengemeinderat freilich wollte den Vorschlägen zunächst nicht ganz folgen. Als aber der Oberkirchenrat die Übernahme des Architektenhonorars vom Wohlverhalten der Gemeinde abhängig machte, gab man schließlich nach. Und Stück für Stück setzten sich die Vorstellungen des Bauberaters durch.

Verständnis durch Verstehen

So jedenfalls sieht es aus, wenn man die damaligen Unterlagen studiert. Bilden
Sie sich bitte selber ein Urteil darüber, indem Sie die untenstehenden Ausschnitte aus alten Dokumenten studieren. Aber bitte tun Sie es, ohne zu verurteilen. Die Menschen damals und der bauberatende Architekt waren eben auch Kinder ihrer Zeit, so wie wir alle vom Geist unserer jeweiligen Zeit kräftig mitbestimmt werden. Die Unterlagen sollen helfen, daß wir verstehen lernen, aus welchen Gründen unsere Vorfahren ihre Entscheidungen getroffen haben. Aus solchem Verstehen kann dann auch Verständnis und Respekt erwachsen. Dazu mögen die alten Dokumente helfen.

Eile geboten

Sitzungsprotokoll vom 25. August 1953
Nachdem der Kirchengemeinderat bereits am 2. Juni 1953 das Weißen der Wände im Chor und Schiff in den Blick genommen hatte, wurde die Innenerneuerung nun dringlich. Bei der Orgel hatte man Holzwurmbefall festgestellt. Eine Generalüberholung schien dringlich. Diese sollte aber sinnvollerweise nach den Malerarbeiten stattfinden.

Bauberater bestellt

Schreiben des Oberkirchenrats vom 1. September 1953
"Der Oberkirchenrat hat davon Kenntnis genommen, daß der Kirchengemeinderat Oberrot am 25. August 1953 beschlossen hat, die Innenerneuerung der Kirche durchzuführen, und die Beratung eines Architekten erbittet. Vom Oberkirchenrat ist Architekt Albert Stenzel, Musberg bei Stuttgart, beauftragt worden, die Kirche in Oberrot zu besichtigen und einen Vorschlag für die Innenerneuerung mit Kostenschätzung aufzustellen. Sein Honorar wird auf landeskirchliche Mittel übernommen ..."

Schlechter Zierrat?

Bauschauprotokoll des Bauberaters
"Am 12. IX. 1953 wurde die Kirche in Oberrot gemeinsam mit Kirchengemeinderat, Pfarrer Kull und Architekt Stenzel besichtigt, um über die Innenrenovierung zu beraten.
Die Kirche ist im Innern düster und schlecht belichtet. Vornehmlich schuld an diesem Zustand sind die zweistöckigen Emporen (eine rückwärtige und eine Längsempore). Diese sind außerdem in dunklen schmutzigen Farben gehalten und mit schlechtem Zierrat der Balkenkonsolen und Brüstungen überhäuft. Wände und Decken sind ebenfalls zu dunkel gehalten ...
Der Fußboden in Schiff und Chor besteht aus einem Zementestrich. Das Gestühl ist vom ästhetischen Standpunkt gesehen schlecht, jedoch leider noch brauchbar. Das große farbige Glasfenster in der Achse des Chors ist schlechtes 19. Jahrhundert.
Folgendes wurde vorgeschlagen: Einziehen einer horizontalen Decke, hellgestrichen, da das Holzgewölbe nur als dunkle Höhle in Erscheinung tritt und jedes Reflexlicht aufschluckt. Außerdem besteht dieses Gewölbe nur aus einer Bretterschalung, die den größten Teil der Ofenwärme nach oben entweichen läßt. Man hat sich deshalb mit horizontal geführten mehrere Meter langen Ofenrohren zu helfen gesucht. Diese dienen der Kirche nicht gerade zur Zier und sollten und könnten dann wegfallen.
Entfernung unnötigen Zierrats. Verkleidung der häßlichen Emporenbrüstungen mit schlichten Rahmen und Füllungen hell gestrichen. Heller Anstrich der Wände, des Emporengebälks und Gestühls. Auswechseln des Zementanstrichs im Chor gegen Natursteinplatten, Solnhofener Überlängen oder ähnliches. Die Gänge im Schiff sollen mit Läufern belegt werden.
Das Hauptfenster soll durch eine schlicht geteilte Bleiverglasung mit getöntem Antikglas ersetzt werden, da die Mittel für ein gutes figürliches Fenster fehlen. Der Haupteingang in der Achse der Kirche soll einen inneren Windfang erhalten. Für die Kriegerehrung sollen an der Längsseite des Chors Steinplatten mit eingehauener Schrift eingelassen werden."

Nicht überzeugt

Schreiben an Architekt Stenzel vom 19. März 1954
"... das Fenster im Chor soll bleiben und von der Notwendigkeit neuer Verkleidungen der Emporebrüstungen ist der Kirchengemeinderat bisher nicht überzeugt ..."

Druck von oben

Schreiben des Evang. Oberkirchenrats vom 8. Mai 1954
"... Nach dem Sachverständigen-Gutachten des Architekten Stenzel, das der Bauberater der Landeskirche unterstützt ist es von entscheidender Wirkung, wen die neugotischen Emporebrüstungen de Dolmetsch'schen Umbaus durch Verkleidung ruhiger gestaltet werden. Der Kirchengemeinderat sollte sich daher entschliessen, die Renovierung der Kirche im Inneren uneingeschränkt nach der Planung des Architekten Stenze auszuführen.
... Unter der Vorraussetzung, daß die Kirchengemeinde die Emporebrüstungen verkleidet, ist der Oberkirchenrat bereit, die Architektenkosten des Architekten Stenzel für die Innenerneuerung der Kirche (für die Bauleitung und die örtliche Bauführung) auf landeskirchliche Mittel zu übernehmen ..."

Kosten

Kostendeckungsplan vom März 1954  
für Innenerneuerung 6.000.- DM
für Orgelneubau 10500.- DM
Unvorhergesehenes 1000.- DM
Insgesamt 17500.- DM

Neuer Platz für Orgel

Sitzungsprotokoll vom 25. Mai 1954
"... Es ergab sich, daß das Einziehen einer geraden Decke nur möglich ist, wenn die Orgel von ihrem jetzigen Platz entfernt wird. Für die Aufstellung kommt dann nur der Chor der Kirche in Betracht. Alle anderen Möglichkeiten wurden von dem Sachverständigen verworfen ..."

Nachgeben

Schreiben an den Oberkirchenrat vom 4. Juni 1954
"...Nach neuerlichen wiederholten Besprechungen mit Herrn Architekt A. Stenzel, Herrn Kirchenmusikdirektor Lutz und Herrn Orgelbaumeister Link, Giengen beschloß der Kirchengemeinderat Oberrot einstimmig, die Beschlüsse über die Innenerneuerung der Kirche vom 5. März 1954 zu revidieren bzw. zu ergänzen ...
Es wurde beschlossen, die Erneuerung- mit Ausnahme des Chorfensters' nach den Plänen des Herrn Architekten Stenzel durchzuführen. Der Kirchen gemeinderat ist dankbar und erfreut, daß die Architektenkosten auf landeskirchliche Mittel übernommen werden ...
Weiter wurde beschlossen, die Orgelfirma Link mit dem Neubau einer Orgel im Chor zu beauftragen, weil bei Belassung der Orgel an ihrem bisherigen sehr un-
guten Platz die angestrebte, notwendige Erneuerung der Kirche nur stückweise und unbefriedigend durchgeführt werden kann..."

Unsicherheit

Schreiben an Architekt Stenzel vom 28. September 1954
"... Wir wären schon dankbar, Sie würden wieder vorbeikommen. Denn nachdem die Aufstellung (sc. der Orgel) im Chor gesichert ist, werden sich auch für die Renovation mache neue Aspekte ergeben. Besonders muß nun die Chorgestaltung neu geplant werden. Und was macht man nun mit allem, was über der 2. Empore in der Kirche kommt - Anm: Wird die Orgel im Chor nicht unter Feuchtigkeit leiden?"

Kostensteigerung

Aus dem Kostenvorschlag vom 6. März 1955  
Neue Orgel 14000.- DM
Zimmermann (Decke) 850.- DM
Malerarbeiten ohne Chordecke 4050.- DM
Plattenleger, Bodenbelag im Chor 950.- DM
Brüstungen 1000.- DM
Haupttor mit Windfang 500.- DM
Elektroinstallation 1000.- DM
Klapptüre zur zweiten Empore 500.- DM
6 Dachgauben 2000.- DM
Läufer für die Gänge 200.- DM
Stühle für den Chor ä 30.- DM 600.- DM
Unvorhergesehenes 1350.- DM
Summe 27000.- DM

Einsatz für Chordecke

Schreiben von Pfarrer Kull an Architekt Stenzel vom 8. März 1955
"... In der letzten Woche, am Freitag, hat die entscheidende Sitzung über die Erneuerung unserer Kirche stattgefunden. Der Einzug der flach gewölbten Decke, die Verkleidung der Emporenbrüstungen, der Plattenbelag im Chor wurden einstimmig angenommen. Gutgeheißen wurde auch die Wandverkleidung mit Spanplatten unten in der Kirche, jedoch nur unter der Bedingung, daß das Gestühl als solches erhalten bleibt. Einstimmig wurde auf Anraten des Herrn Dekan der Beschluß gefaßt, an den Fenstern jetzt nichts zu machen, weil es ein böses Echo in der Gemeinde gibt. Die Zeit ist noch nicht reif dafür. Es kommt das neue Chorfenster dann ganz von selbst. Ebenso herrschte Einmütigkeit, daß man an kein neues Gestühl denken kann, weil das jetzige noch so brauchbar und stabil und auch in der Form noch erträglich ist. Über Änderungen kann geredet werden. Einmütigkeit war auch darin vorhanden, daß die Beleuchtung der 2. Empore verbessert werden muß und die Lösung mit den Glasziegeln und Mattscheiben sehr schlecht ist. Ich wurde beauftragt, mit Ihnen zu verhandeln, ob die doch sehr teuren Dachgauben nötig sind oder ob die Beleuchtung nicht auch durch Dachfenster erreicht werden könne ...
Bis jetzt stehen die Kosten für die Erneuerungsarbeiten bei etwa 27000.- DM. Enge herrscht also in Oberrot nicht gerade, der Kirchengemeinderat ist wesentlich weiter gegangen, als er ursprünglich beabsichtigte. Daß er nicht allem zugestimmt hat, müssen Sie aus der Mentalität der Gemeinde heraus verstehen.
Das böseste Gewissen habe ich persönlich bei dem einen Punkt, daß die Heizungsfrage nicht in Angriff genommen wird. Aber auf meinen diesbezüglichen Einwand kam die ablehnende Antwort, daß man das nicht auch noch zugleich machen könnte. Ich fürchte eben den Ruß in der renovierten Kirche ...
Ein letztes: ich bin erneut vom Kirchengemeinderat und von vielen Gemeindegliedern gebeten worden, dafür besorgt zu sein, die Deckenmalereien im Chor zu erhalten. Ich möchte diesen Wunsch von mir aus unterstützen. Mag der künstlerische Wert der Malereien gering sein, so ist dieser Bildschmuck meines Erachtens doch noch weit besser als gar keiner. - Es ist mir klar, daß nachher wieder alles zusammenpassen muß. Ob man durch Abwaschen und Auftragen eines Lacks erreichen könnte, daß die Bilder wieder heller werden und nachher zur übrigen Kirche passen? ..."

Elektroheizung, Wandverkleidung, Empore

Aus dem Sitzungsprotokoll vom 15. April 1955
"... Es werden verschiedene Baufragen erörtert. Dabei spielt besonders die Frage der Heizung eine Rolle Der Vorsitzende gibt zu bedenken, daß unsere Kirche sehr bald von neuem verrußt sein wird, wenn die Ofenheizung beibehalten wird und daß später nach der gründlichen Erneuerung der Einbau einer elektrischen Heizung sehr viel kostspieliger ... sein wird ... Beschluß: Die elektrische Heizung ... einrichten zu lassen.
... in der Sitzung vom 4. März ist beschlossen worden, die Wand im Schiff der Kirche ebenfalls zu verkleiden. Dieser Beschluß macht weitere Beratungen notwendig, denn er hat Konsequenzen.
Die Wandverkleidung läßt sich nur anbringen, wenn die Bänke verkürzt werden.
Es ist nämlich unmöglich, den Mittelgang der Kirche zu verengen. Da man die Bänke aber verkürzen müßte, wird nun doch der Vorschlag des Architekten, neue Seitenwangen anzubringen, erörtert ...
Für die Wandverkleidung spricht 1) das gute Aussehen 2) Die Dauerhaftigkeit 3) Die bessere Erwärmung ...
Auf Grund einer Besichtigungsfahrt verstärkt sich der Wunsch nach einer besseren Belichtung der Kirche. Es wird erwogen, die 1. Seitenempore um ein kurzes Stück bei der Kanzel abzunehmen, damit das eine schöne, alte Fenster einschließlich des Maßwerks frei wird. Dadurch kann die Kanzel dann um etwa 40 cm nach rechts verschoben werden, so daß der Blick in den Chor freier wird..."

Neue Bankdoggen und Versetzung der Kanzel

Sitzungsprotokoll vom 31. Mai 1955
"... Es wird beschlossen, einstimmig: ... die 1. Empore bei der Kanzel um ein Stück zu verkürzen ... Die Kanzel nach rechts zu rücken ... Für die Emporenbrüstungen sollen als Füllung Kiefernfurniere verwendet werden ...
Beschluß mit 10 gegen 1 Stimme: Die Wandverkleidung in Auftrag zu geben. Hierauf wurde für das Gestühl einstimmig beschlossen: die Seitendoggen am Gang nach den Vorschlägen des Architekten zu erneuern u. an der Wand aus alten, guten Doggen "Blinddoggen" herzustellen ..."

Plattenbelag für die Gänge

Sitzungsprotokoll vom 13. Juli 1955
"... Es wird einstimmig beschlossen ..., nicht bloß den Chor der Kirche, sondern auch die Gänge zwischen den Bänken mit Platten auslegen zu lassen ..."

Neuer Altar - Kanzel gerettet

Sitzungsprotokoll vom 4. Oktober 1955
"...Nach Abbruch des Gerüstes in der Kirche ergibt sich klar, daß der bisherige Altar in seinen Abmessungen nicht mehr mit dem Chor der Kirche harmoniert. Nach längeren Beratungen wird beschlossen, die Firma Röger unter der Bedingung, daß der Altar bis zum 15. Oktober geliefert wird, mit der Erstellung eines neuen Altars zu beauftragen ... Von der Verschalung der Kanzel wird mit einstimmigem Beschluß Abstand genommen ..."

Etwas ganz Neues geschaffen

Ausschnitt aus der Lokalzeitung zur Wiedereinweihung am 16. Oktober 1955
Es kann wohl mit Recht gesagt werden, daß es Architekt Stenzel gelang, unter Erhaltung des wertvollen Alten, etwas ganz Neues zu schaffen. Das ursprünglich Drückende, Düstere ist verschwunden. Ein heller, befreiender, in seiner Einfachheit und Farbenabstimmung wuchtig und zugleich beruhigender Raum ist entstanden ..."

Eigenleistung

Ausschnitt aus der Lokalzeitung vom 14. Oktober 1955
"... Die altehrwürdige Kirche ist in diesem Sommer im Innern neu gerichtet worden ...
Die Bauleitung lag in den Händen von Herrn Architekt Stenzel. Er leitete bekanntlich zur selben Zeit den Umbau der Fichtenberger Kirche. Die Aufgabe in Oberrot war für den Architekten und die Gemeinde sehr schwierig. Es mußte auf das bestehende Alte Rücksicht genommen werden, denn es war von vornherein der Wunsch, das Alte - soweit es gut war - zu erhalten. Diese Aufgabe ist glänzend gelöst worden.
Wer die Kirche früher gekannt hat und sie heute wiedersieht, ist über ihr neues Aussehen sehr verwundert. Obwohl in der Kirche fast nichts eingerissen wurde, hat sie sich sehr verändert, und wie jedermann erkennt, zu ihrem Vorteil. Die baulichen Veränderungen bestehen im Grunde nur im Einziehen einer flach gewölbten Decke und im Einbau von sechs Dachfenstern zur besseren Belichtung der gesamten Kirche, besonders der zweiten Empore. Etwas festliches erhält die erneuerte Kirche durch das Lärchenholzgetäfer auf den zwei Brüstungen und im Schiff der Kirche. Es paßt so gut zu dem abgelaugten alten Gebälk, daß viele auswärtige Besucher der Kirche sich täuschen lassen und nicht merken, was alt und was neu ist. Durch das mühevolle Ablaugen konnte vermieden werden, Gebälk und Gestühl deckend zu streichen, so daß die Natur des Holzes erhalten blieb ...
Im Chor blieb das originelle Deckengemälde des Hamburger Kunstmalers Stechert aus dem vorigen Jahrhundert erhalten. Durch sorgfältige Wahl der Farben verbindet sich das alte Tonnengewölbe im Chor harmonisch mit der neuen Decke im Schiff ...
Das Schönste an dem Bauen in der Oberroter Kirche aber ist dies, daß mit vollem Recht gesagt werden kann: die Gemeinde hat ihre Kirche selbst erneuert. Fast alles haben einheimische Handwerker geschaffen ...
Dazu kommen noch viele Frauen und manche Männer, die freiwillig und unbezahlt tausende von Arbeitsstunden, namentlich beim Abbeizen und Abwaschen, aber auch viele andere Geschäfte geleistet haben ... Die neue Orgel kommt aus der Werstätte des Orgelbauers Link in Giengen an der Benz. Da diese Firma leider den Termin nicht einhalten konnte, fehlt zum großen Schmerz der gesamten Gemeinde am Einweihungstag die neue Orgel ... Ein Dankeswort gehört auch dem FC Oberrot und den einstigen Erbauern der Oberroter Sporthalle, denn in ihr fand die Gemeinde während des Bauens an der Kirche für die Gottesdienste eine gute Bleibe ... Die Kirchweihe findet am nächsten Sonntag ... statt. Bis dahin muß noch viel in der Kirche gearbeitet werden, damit alles¬ zur festgesetzten Zeit fertig wird ..."

Neue Kostensteigerung

Baukostenzusammenstellung von Architekt Stenzel vom 30. 5. 1956
Die Baukostenzusammenstellung von Architekt Stenzel ergibt mit Datum vom 30. Mai 1956 DM 42.962,88 DM.

Neues Chorfenster

Brief an den Verein für christliche Kunst vom 28. Januar 1961
Wie wir dem Verein schon früher mitgeteilt haben, beabsichtigt die Kirchengemeinde schon seit geraumer Zeit die gründliche Kirchenerneuerung mit einem Glasbild für das große Chorfenster der Kirche abzuschließen. Der Kirchengemeinderat hat Herrn Kunstmaler Dieter Frank in Schwäbisch Hall mit der Fertigung des Fensters beauftragt. Derselbe Künstler schuf auch die Glasfenster der Brenzkirche in Schwäbisch Hall, die dem Kirchengemeinderat bei einer Besichtigungsfahrt ganz besonders gut gefallen haben ..."