Unsere Pfarrkirche Obersontheim

Kirchengeschichte

Diese Kirche wurde in den Jahren 1585/86 von Schenk Friedrich VII. von Limpurg-Sontheim erbaut. Die Schenken von Limpurg hatten 1475 das hiesige Schloss erworben und es 1541 bis 1593 im heutigen Umfang neu errichtet. Schenk Erasmus, der Obersontheimer Residenzgründer, verkaufte vorher den Stammsitz seines Geschlechts, die LIMPURG, auf der Höhe zwischen Schwäbisch Hall und dem Kloster Comburg gelegen, an die Reichsstadt. Im Rahmen der Residenzgestaltung sollte die baufällige Cyriakus-Kapelle abgebrochen und angemessen ersetzt werden. Diese Frühmesserskapelle stand etwa von 1447 bis 1586 an der Stelle der alten Linde auf dem heutigen Rathausplatz. Der Fürstprobst von Ellwangen hatte das Besetzungsrecht. Die Kapelle gehörte zur Pfarrei Bühlertann und unterstand deren Filialkirche Untersontheim. Erst mit dem sogenannten Wechselvertrag mit Ellwangen 1587 konnte Schenk Friedrich VII. alle kirchlichen Rechte erwerben und an den Bau einer eigenen Kirche gehen. Es war der erste EVANGELISCHE KIRCHENBAU nach der Reformation im Bereich der späteren Landeskirche von Württemberg.

Das Äußere

Nach der Stiftertafel über dem Kircheneingang wurde am 2. April 1585 von Schenk Friedrich der Grundstein gelegt, "...Gott zu Ehren, und zur Fortpflanzung seines Wortes..."
Der Kirchenbau war im September 1586 vollendet, die Weihe erfolgte vermutlich im Februar 1587.
Die Kirche ist im Stil der deutschen Renaissance in einfachster Form erbaut. Die Fenster haben schönes, spätgotisches Maßwerk. Der niedere Kirchturm wirkt sehr gedrückt. Er geht vom Viereck in ein Achteck über und schließt über der Glockenstube mit einem niedrigen Kuppeldach ab.
Auf der Rathausplatzseite, neben der Kirchentüre, ist ein kleines Türmchen von 1602, das früher den Treppenaufgang zur sogen. Herrschaftsempore (abgebrochen 1956) enthielt. Links daneben sind am Turm Spuren eines Wohnungsanbaus (abgebrochen 1830) zu sehen.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Turms ist die Sakristei von 1618 angebaut.
An der westlichen Giebelseite ist eine überdachte Doppeltreppe von 1750, ehemaliger Zugang zu den Emporen. Sie ist heute ohne Funktion und nur noch denkmalgeschützter Anbau.

Die Innenausstattung

Das Kircheninnere erhielt bei den Renovierungen von 1956 und nach einem Kirchenbrand vom 8./9. Dezember 1967 sein heutiges Aussehen. Es wird in seiner schlichten Art besonders von den Grabdenkmälern der Schenken von Limpurg geprägt.
Der Chor zeigt gotisches, flaches Rippenwerk, ein Kreuzgewölbe auf Konsolen in Form von kleinen Löwenköpfen und eine Schlusssteinrosette.
Altar und Kanzel
wurden bei der Renovierung 1922 erneuert.
Der Taufstein ist aus der Schenkenzeit, eine schöne Steinmetzarbeit.
Das frühere Altarbild, das die Einsetzung des Heiligen Abendmahls darstellend, ist jetzt über der Eingangstüre angebracht.
Die Farbfenster sind von der Kunstglaserei Jahn und Gaißer in den Jahren 1922/23 nach Entwürfen von Frau Jost, alle in Stuttgart, gestaltet. Das Chorfenster zeigt die Passion und Auferstehung Jesu, das Farbfenster auf der rechten Seite des Kirchenschiffes Bilder aus dem Leben Jesu. Dieses Fenster hat eine Stifterinschrift. Das Buntglasfenster über dem Taufstein wurde 2010 von Siegfried und Luise Eggert aus Markertshofen gespendet. Es Zeigt den Guten Hirten umgeben von Kindern, die zur Taufe eingeladen sind. Gestaltet wurde das Fenster von Erich Funk aus Eislingen.
Das Kirchengestühl wurde 1891 von einem Obersontheimer Schreiner angefertigt.
Die denkmalgeschützte Barockorgel wurde 1740 von Orgelbauer Hasenmeyer aus Schwäbisch Hall geschaffen. Nach dem Kirchenbrand von 1967 wurde sie auf 2 Manuale, 19 Register und fast 1500 Pfeifen durch die Orgelbaufirma Link, Giengen/Brenz, erweitert. Der Orgelprospekt zeigt eine posaunenblasende Putte und das Limpurger Wappen. Ursprünglich hatte die Kirche keine Orgel. Erst 1618 stifteten die Söhne des Kirchenerbauers eine Orgel "...mit lauter zinnernen Pfeifen", die dann 1740 durch die heutige Orgel ersetzt wurde.

Die Grabmäler

Die Grabdenkmäler der Schenken von Limpurg sind der wertvollste Schmuck der Kirche. Nach der Reformation war die Grablege der Limpurger im Kloster Comburg bei Schwäbisch Hall nicht mehr verfügbar. Dort sind im früheren Kapitelsaal (sog. Schenkenkapelle) vom 14. bis zum 16. Jahrhundert die Schenken mit ihren Frauen beigesetzt. Die Grabmäler sind erhalten und dort aufgestellt. Die Obersontheimer Kirche wurde also auch als Grablege der Schenken gebaut und die Mitglieder des Hauses Limpurg-Sontheim von 1593 bis 1746 im Chor und Kirchenschiff beigesetzt.
Die kunst- und zeitgeschichtliche Bedeutung der Grabplatten wurde früher nicht erkannt und deshalb bei der Kirchenbankerneuerung 1891 zum Teil aus der Kirche entfernt und im Schloss eingelagert. Im Jahr 1922 wurden weitere Grabplatten gefunden und mit den noch vorhandenen an den Wänden aufgestellt. Es sind 2 Grabdenkmäler und 17 Grabplatten der Schenkenfamilie.

Das Grabdenkmal vorne rechts zeigt:
Schenk Friedrich VII, den Kirchenerbauer (1536-1596), mit seinen zwei Frauen, Margarete von Erbach (gestorben 1564, begraben in Michelstadt i. Odenwald) und Agnes von Limpurg-Gaildorf (gestorben 1606, begraben neben ihrem Mann in dieser Kirche). Schenk Friedrich VII baute auch den Westflügel des Schlosses, das Pfarrhaus (abgebrochen 1975) und das Rathaus. Das Grabmal wurde von dem bekannten Bildhauer Sem Schlör aus Schwäbisch Hall geschaffen.

Das Grabdenkmal über der rechten Kirchentür zeigt:
Schenk Vollrath (1642-1713) und seine Frau Sophia Eleonora von Limpurg-Schmiedfeld (1655-1722), das letzte Schenkenpaar. Sie sind mit einer großen Kinderschar dargestellt, aber von 11 Kindern überlebten nur 5 Erbtöchter das Paar. Mit Schenk Vollrath war das Gesamthaus Limpurg im Mannesstamm ausgestorben und damit auch das Reichsschenkenamt der Limpurger erloschen. Das Grabmal wurde von der Bildhauerfamilie Sommer in Künzelsau schon zu Lebzeiten des Paares geschaffen.

Diese Kirche wurde "Gott zu Ehren und zur Fortpflanzung seines Wortes" erbaut. Möge uns das Psalmwort aus der Stiftertafel in dieser Kirche und im Leben leiten: "Dein Wort ist wahrhaftig und gewiss; Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses, HERR, für alle Zeit" (Psalm 93,5 - nach einer neuen Übersetzung).