Christus-Kirche

Altar und Orgel

Das Kirchengebäude für die evangelischen Christen wurde im Baustil des Barock ausgestattet. Dies jedoch nicht überladen, sondern in schlichter und einfacher Ausführung. Aber schon licht, hell und weiträumig, wie es damals Ausdruck der Frömmigkeit war. Durch wissenschaftliche Erkenntnisse zerbrach das bergende Himmelsgewölbe, in dem Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, mit den Engeln thronten. Die Erde wurde ihrer Würde Mittelpunkt des Alls zu sein beraubt, und über dem Blau des Himmels wurde die unvorstellbare Weite des Universums mit all seinen tödlichen Gefahren und Bedrohungen erkannt. Die Kirchen überwandten diesen Schock, indem ihnen die geistliche Erkenntnis ins Bewusstsein kam: Gott ist nicht an einem Ort, den ihm die Menschen zuweisen. Gott ist da, wo er gegenwärtig ist. Folglich ist der Himmel in der Gegenwart Gottes, da also, wo er durch sein Wort in der Kraft seines Heiligen Geistes in unsere Mitte tritt und uns ergreift, erfüllt und heiligt. Da dies vornehmlich im Gottesdienst geschieht, wurde zum äußeren Zeichen der Himmel in die Kirche hereingeholt. Die Farben Weiß und – wo es möglich war – das Gold sind Zeichen der Ewigkeit. Wer also das Kirchengebäude in Untergröningen betritt, soll von dieser schlichten, frohen und tröstenden Atmosphäre des Kircheninneren erfasst werden. Das Gold ist in dieser Kirche eine Imitation mittels eines angenehmen Gelbs.

Der Blickfang im Kircheninneren ist zweifelsfrei der Altar. Er ist mit einigen Stufen zurecht von der Gemeindeebene erhöht. Links und rechts der Stufen befindet sich ein kleiner Lattenzaun, wohl eine Anlehnung an den Zaun vor dem Berge Sinai, der einst das Volk Israel von der Gegenwart Gottes fernhielt. Oberhalb des Altars ist das Altarbild zu sehen, ein Ölgemälde, das den gekreuzigten Christus darstellt. Als typisch protestantisch muss man die Orgel bezeichnen, die thronend über dem Altar ihren Platz hat. Sie bildet den Triumph über dem Geschehen auf dem Altar: Gott opferte seinen Sohn, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben gewinnen.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein zierte lediglich ein Dachreiter das Äußere der Kirche. Dann aber fasst man nach dem 2. Weltkrieg den Mut, diesen Dachreiter abzunehmen, und ihn durch einen Turm zu ersetzen. Dies konnte nur durch die Mithilfe von Gemeindegliedern gelingen. Im Jahre 1953 war der fast 25 Meter hohe Turm fertig gestellt und wurde eingeweiht. Heute sind vier Glocken in seinem Glockenstuhl untergebracht. Sie rufen zum Gebet und zum Gottesdienst. Das Schlagwerk will jedem Hörer in Verbindung mit dem Sehen der vier großen Uhren wissen lassen, was die Stunde geschlagen hat.

Eine Ikone ergänzt den Raum

Ikone von Eva Wulf

Im Kirchenraum hängt an der Südwand eine Besonderheit: Eine byzantinische Ikone von einer katholischen Künstlerin „geschrieben“ und das in einer evangelischen Kirche. Ihr Urbild ist im berühmten Männerkloster auf dem Berg Athos in Griechenland. Dieses Werk in Untergröningen ist nicht ganz unumstritten, da es dem Baustil der Kirche nicht ganz angemessen ist. Die Kirchengemeinde ist aber froh, dieses Kunstwerk zu haben. Denn es ist von der Ikonenschreiberin Eva Wulf aus Spraitbach in dreijähriger Fleißarbeit unentgeltlich gefertigt worden. Sie suchte einst eine Kirche, in der sie ihr Lebenswerk, eine möglichst große Ikone, „Zur Ehre Gottes“ schaffen könne. Lediglich das Material wie Holztafel, Kreidegrund und spezielle Malfarben müssten ihr gestellt werden. Aber auch diese Materialien wurden von edlen Spendern der Kirchengemeinde gestiftet. Eine Schreinerei besorgte kostenlos die Holztafeln und ein Gemeindeglied übernahm die Kosten für die Farben. In einem höchst ehrwürdigen und feierlichen Gottesdienst wurde diese Ikone wirklich geweiht, und das gleich in doppelter Form. Vater Mitrophan Hauser aus Stuttgart von der orthodoxen Kirche aus Stuttgart weihte die Ikone mit Weihrauch und Weihbischof Dr. Kreidler von der katholischen Kirche weihte sie mit Weihwasser. Der evangelische Teil Prälat Hans Kümmel aus Heilbronn hat die Predigt übernommen und damit den Hauptteil des Gottesdienstes. Es war also ein ökumenischer Gottesdienst, in dem die orthodoxe Kirche, die katholische Kirche und die evangelische Kirche ihre liturgischen Elemente einbrachten. Umrahmt war der Gottesdienst von einem Männerchor, der die orthodoxe Liturgie gesungen hat. Dieser Gottesdienst kann fast als vorbildlich bezeichnet werden, da die drei großen Konfessionen einmütig diesen Gottesdienst in einer wohltuenden Harmonie feierten. Ein Außenstehender hätte wegen der Eintracht in keinster Weise gemerkt, dass drei verschiedene Kirchen in einem Großen und Ganzen so miteinander ungezwungen Gottesdienst feiern.

Ergänzend darf noch erwähnt werden, dass die Kirche in Untergröningen in diesem Gottesdienst den Namen „Christus-Kirche“ erhalten hat. Das weiter jene tiefe Bedeutung: Auch diese Kirche gehört diesem Herrn der Kirche und dient in ihr seiner Gemeinde. Alle Kirchen haben diesen Christus zum Herrn, darum ist es der, der die Kirchen miteinander verbindet und eint.

Auch dies ist die Botschaft, die die Ikone in ihrer Bildhaftigkeit verkündigt. Darüber hinaus vermittelt sie ein hohes Maß an Trost und Zuversicht. Dass sie 2,5 x 3,0 Meter misst, ist völlig unbedeutend. Vielsagend ist schon der Ort, an dem sie angebracht worden ist. Sie hat ihren Platz auf der Kanzelseite in der Kirche gefunden. Wie von der Kanzel Gottes Wort den Hörer erreichen will, so soll die Ikone mit ihrer Botschaft den Betrachter zum Glauben führen und diesen stärken.

Die Botschaft beginnt schon durch den Hintergrund des Kunstwerkes. Im oberen Teil der Ikone ist der Hintergrund mit Gold zu sehen. Es ist das Zeichen der ewigen Herrlichkeit in der Höhe. Im Gegensatz dazu ist im unteren Teil das Dunkel der Erde, Zeichen des Bösen, des Leidens und des Sterbens. Links und rechts sind zwei Häuschen. Das dürfte das Zeichen für die Kirche einerseits sein und andererseits das der jüdischen Synagoge. Beide stellen das jüdische Jerusalem dar, wie es im 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes verkündigt wird. Die Stadtmauer ist durchbrochen, der Zugang zur Wohnstätte „der Heiligen und Geliebten“, in der Gott wohnt, ist geschaffen. Auf den beiden Häusern sind Wasserwellen, wohl Zeichen dessen, dass Gott in seiner Stadt den Durstigen das Wasser des Lebens geben wird. Sinnigerweise durchzieht in der Mitte eine Weinranke die Ikone als Zeichen des Wachstums und des Lebens. Im Vordergrund unten also erkennt man die unerlöste Welt, im Hintergrund dagegen ganz oben das Ziel der Wege Gottes, seine ewige Herrlichkeit.

Die alles überragende und dominierende Figur ist aber Christus. Er verbindet nicht nur Himmel und Erde, sondern ist der alles beherrschende Herr des Himmels und der Erde. Schon im Nimbus (Heiligenschein) sind die Hoheitstitel Christi in griechischen Buchstaben eingefügt. So zum Beispiel „der Seiende“. Damit wird die Göttlichkeit Jesu proklamiert. Das strenge Antlitz weist auf den Weltenrichter hin. Seine Augen sind so gestaltet, dass jeder, gleichgültig an welchem Ort er im Kirchenschiff verweilt, den Eindruck hat, von Christus gesehen zu werden. Die ausgebreiteten Arme sind Zeichen des Segnens, durch das er die Evangelisten Markus, Lukas, Matthäus und Johannes bevollmächtigt, das Evangelium zu schreiben. Diese vier Evangelisten neigen sich in demütiger Haltung mit offenen Händen vor Christus, um von ihm die Worte des Lebens zu empfangen, das sie niederschreiben sollen. Die ausgebreiteten Arme Jesu erinnern aber auch an den Befehl Jesu: „Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss“. Schließlich steht Christus auf der Sonnenscheibe, dem Zeichen der geschaffenen Welt, die dem König Gottes als Königsteppich zu Füßen liegt. Diese Scheibe wiederum wird von Hölzern getragen, so dass das Ganze einem Schemel gleicht. Dies dürfte ein Hinweis auf Psalm 110 sein, in dem von Gott gesagt wird: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache“. Darauf weisen auch die weißen Punkte hin, die am Holz angebracht sind. In der Mitte des Schemels sind sechs Punkte zu sehen. Sie weisen auf die sechs Schöpfungstage hin. Wie die Spitze einer Pyramide ihr höchster Punkt ist, so ist die Erschaffung des Menschen durch Gott der Gipfel und das Ziel seiner Schöpfung. Aber auch diese Hoheit liegt dem Kosmokrator zu Füßen. Links und rechts davon sind je neun Punkte zu sehen. Diese Zahl weist über die Acht hinaus und ist damit Symbol für die Zahl der Engel drei mal drei. Damit liegt also auch die ewig-geistige Welt dem König Gottes zu Füßen. All das bringt ein Himmelfahrtslied im evangelischen Gesangbuch sinnvoll zum Ausdruck:
Jesus Christus herrscht als König,
alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen,
Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muss.


Damit bekommt der Betrachter dieser Ikone die frohe Botschaft vermittelt, dass kein blind-wütendes Schicksal die Welt beherrscht und das nichts dem Zufall überlassen bleibt. Herr über Leben und Tod und über alle Mächte und Gewalten ist dieser Christus, der übermächtig und alles beherrschend durch die Ikone dargestellt wird. Durch ihn erschließt sich auch die Perspektive der Zukunft der Welt und des menschlichen Lebens. Zuletzt mündet die erlöste Welt ein in Gottes Herrlichkeit in der Gott ist alles in allem.

Der Besucher der evangelischen Kirche in Untergröningen bekommt somit vom ganzen Gebäude jenen Eindruck, den ein Beter im 26. Psalm in die Worte gefasst hat:
Herr, ich habe lieb die Städte deines Hauses
und den Ort, da deine Ehre wohnt.