Auf Schatzsuche gehen

Auf Schatzsuche gehen
„In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“. Kolosser 3,2


Liebe Gemeinde,
würde man diesen Bibelvers oben laut aussprechen, läge die Betonung auf dem Wort „Christus“. Denn der Verfasser des Kolosserbriefes grenzt sich hier ab von Irrlehren, von Leuten, die mit ihren „verführerischen Reden“ Menschen in die Irre führen.

Es liegt nahe, bei Irrlehren zurzeit gleich an all die Verschwörungstheorien und Falschmeldungen zu denken, die gerade in Bezug auf Corona verbreitet werden oder an die Aussagen von Christen, die behaupten, das Corona-Virus ist Folge der Sündhaftigkeit der Menschen; Gott schickt damit ein deutliches Zeichen.

Corona als Strafe Gottes! Solch eine Interpretation geht meiner Meinung nach in die ganz falsche Richtung und hat in meinem Bild von Gott keinen Platz. Das Übel, das Leid, die sind nicht von Gott gewollt! Gott will für uns, dass wir das Leben in Fülle haben.

Die Frage aber bleibt: Was können wir mit diesem Bibelvers „In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ anfangen?

Das erste und allerwichtigste ist wohl: Es gibt Schätze für uns!
Das zweite ist: Sie sind offensichtlich verborgen.

Genauso empfinde ich das auch oft. Da mag ja ganz viel Weisheit und Erkenntnis sein, aber diese Schätze sind verborgen, sind also nicht einfach zu entdecken. Dann muss man auf Schatzsuche gehen.
Schatzsucher, so lesen wir in alten Geschichten, waren Leute, die alles auf eine Karte gesetzt haben. Und mit dieser Karte haben sie sich aufgemacht in unwegsames Gelände, haben Entbehrungen in Kauf genommen, mühsame Grabungen vorgenommen und oft genug sind sie mit leeren Händen nach Hause gekommen, aber manchmal eben auch mit vollen Händen.

Auch die Schätze, die Christus uns anbietet, sind manchmal schwer zu finden, manchmal für unsere Augen verborgen.

Das alles ändert allerdings nichts daran, dass es diese Schätze dennoch gibt. Dass sie sich auch heben lassen und dass es sich lohnt, sich auf die Suche danach zu machen. Erst recht jetzt, in dieser ganz anderen, außergewöhnlichen Passions- und Fastenzeit in Zeiten der Corona-Epidemie, die für uns alle eine große Herausforderung darstellt.

Vielleicht entdecken wir neu den Schatz, der Solidarität, oder Nächstenliebe heißt, Mitfühlen und Mithandeln für die, denen es schlechter geht wie mir und die meine Hilfe brauchen.
Vielleicht entdecken wir gerade jetzt, dass manchmal weniger mehr ist, oder wie gut es tut, einmal aus dem Hamsterrad rauszukommen und zu entschleunigen, wenn auch gezwungenermaßen.
Zurzeit sehe ich von meinem Küchenfenster aus immer wieder Menschen ganz oben am Viechberg auf dem Bänkle sitzen, viel häufiger wie sonst.

Das ist doch auch ein kostbarer Schatz, den wir neu entdecken können, unsere wunderschöne Natur gerade jetzt im Frühling, ein Blick von oben auf unser schönes Städtchen. Schätze, die uns geschenkt sind, die wir nur auch finden und sehen müssen.

Und welcher Schatz ist doch unser Glaube an Christus. Mit den Konfirmanden singe ich gerne das englische Lied „In Christ alone“. In der deutschen Übersetzung heißt der 1. Vers dieses Liedes:
In Christus ist mein ganzer Halt. Er ist mein Licht, mein Heil, mein Lied, der Eckstein und der feste Grund, sicherer Halt in Sturm und Wind. Wer liebt wie er, stillt meine Angst, bringt Frieden mir mitten im Kampf? Mein Trost ist er in allem Leid. In seiner Liebe find ich Halt.

In diesem Vertrauen wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute und viel Kraft für die kommende Zeit und viel Erfolg bei Ihrer persönlichen Schatzsuche. Gott begleite und stärke Sie!

Ihre Pfarrerin Ursula Braxmaier