Das Osterlachen - Andacht zu Ostern

Liebe Gemeinde!
Im Jahr 1835 ist es offiziell verboten worden, in einer Regensburger Kirchenordnung, das Osterlachen. Bis dahin hatte das Osterlachen eine lange Tradition. Vor allem in Bayern war es seit dem 14.Jahrhundert ein fester Bestandteil des gottesdienstlichen Brauchtums. Und die Prediger im Mittelalter kosteten dieses Osterlachen oft richtig aus. Sie erzählten nicht nur harmlose Scherze, sondern machten die Kanzel manchmal auch zur Bühne für ihr  - wenn vorhanden - komödiantisches Talent. Durch Grimassen, mit Händen und Füßen gestikulierend , versuchten sie die Botschaft vom Sieg Christi über Hölle, Tod, Sünde und Teufel dem Kirchenvolk nahe zu bringen. Ja, Christus ist wahrlich auferstanden, da hat der Teufel nichts mehr zu lachen.

Und die Erlösten, das Kirchenvolk, konnte sich vor Lachen kaum mehr halten.
Martin Luther, der eigentlich kein Miesepeter war, lehnte diesen Brauch des Osterlachens als „närrisches, lächerliches Geschwätz“ ab. Der Reformator Ökolampad aus Basel konnte dem Osterlachen noch eine pragmatische Seite abgewinnen, denn das Osterlachen hindere die Leute wenigstens am Einschlafen. Und es sei allemal besser vor lachenden Menschen zu predigen als in leeren Kirchen!

ich finde, diese kleine Geschichte zeigt doch eins: Unsere Kirche, egal ob evangelisch oder katholisch, die hat es mit dem Lachen nicht so! Wer das Buch von Umberto Ecco „der Name der Rose„  gelesen hat, der erinnert sich vielleicht noch daran, dass darin ein fanatischer Mönch ein ganzes Kloster angezündet und seine Glaubensbrüder ermordet hat, weil er damit die Falschgläubigen bekämpfen wollte, die behaupten, Jesus habe gelacht.

Hat Jesus denn gelacht? Die Evangelien erzählen nicht eindeutig davon. Wir hören, dass Jesus zornig gewesen sei, dass er gewütet und gewettert habe, dass er flehte und schrie, dass er streng befahl und auch verstummte und schwieg. Aber lachte Jesus auch, machte er Scherze und schmunzelte und lächelte? Das wird nicht eindeutig benannt.

Aber, was hat Jesus denn getan, als er tanzte bei der Hochzeit zu Kana, wenn er Freunde besuchte, wenn er sich einladen ließ und Brot und Wein kostete, wenn er mit Kindern sprach und das Fest mitfeierte, das die Familie ausrichtete, deren Tochter er wieder ins Leben rief. Da wird jesus wahrscheinlich schon gelacht haben, wenn er ganz Mensch war, und liebevoll und menschenfreundlich. Wer Menschen liebt, der muss auch lachen können mit ihnen.

Und wie stelle ich mir den Ostermorgen vor? Gab es da ein göttliches Osterlachen, das Jesus auf den Lippen lag?

Ich weiß es nicht, liebe Gemeinde, keiner von uns weiß es. Aber bei allen vier Evangelien, die vom Ostermorgen erzählen, da liegt noch viel Kreuz und Kummer in der Luft  - und immerhin geschieht das Ostereignis ja auch zwischen Gräbern. Im Markusevangelium heißt es: „Maria Magdalena, Maria und Salome gingen hinaus und flohen von dem Grab, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen.“ Von keinem Osterlachen ist da die Rede, sondern vom Osterzittern.

Und ehrlich gesagt, bin ich froh, dass das so ist. 
In der Karwoche und am Karfreitag, ja, in den letzten Wochen, die hinter uns liegen, haben wir uns eindringlich mit dem befasst, was das Leben belastet und bedroht, was Zittern und Entsetzen macht. Und mit dem Tod, dem Tod Jesu und mit unserer eigenen Vergänglichkeit, die uns allen jetzt so deutlich vor Augen geführt wird, gerade jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie.  Wir alle sind verängstigt, verunsichert. Familien bangen um einen Angehörigen, andere trauern um den Mann oder Vater, den das Virus so einfach aus dem Leben gerissen hat.

Das alles macht, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt. Wenn Jesus nun mit einem Lachen aus dem Grab herausgebrochen wäre, dann wäre doch all das, was zuvor war, Angst und Zittern, Schmerz, Kreuz und Tod. Dann wäre all das nicht ernstgenommen worden.

Aber Schmerz, Angst, Kreuz und Tod sind ja nicht aus der Welt. Die bedrängen uns nach Ostern auch noch. Würde Gott, würde Jesus nun so tun, als sei das alles schon überwunden – dann hätte er mit uns und unseren Lebensgeschichten nicht mehr zu tun. Das hat Jesus aber und darum gehören Karfreitag und Ostern immer zusammen. Gäbe es Karfreitag ohne Auferstehung, dann wären Mensch und Welt nur dem Tode verfallen. Gäbe es Ostern ohne Golgatha, dann hätte Gott seinen Triumph, und wir in unserer Menschlichkeit nur das Nachsehen.
Auferstanden ist Jesus aber, so erzählt es uns Johannes, mit den Nägelmalen an seinen Händen. Was für uns Kreuz und Tod bedeutet, das ist in Ostern mithineingenommen: Es ist und bleibt der menschliche Gott, der bis in den Tod hinein Liebende, der da neues Leben schafft – und wir, so wie wir sind, mit Weinen und Lachen, mit Trauer, Angst, Schmerz und Glück und Hoffnung, wir gehören da hinein!

Gab es also kein Osterlachen am Ostermorgen?
Vielleicht schon, aber es wird eben kein lauthalses Lachen, kein Triumphgeschrei gewesen sein. Ich stelle mir dieses Lachen verhalten vor, so wie das Lachen der Davongekommenen, das Lächeln der Befreiten, die die Gefangenschaft noch spüren, denen der Schmerz noch in den Knochen steckt; so wie das frohe Schmunzeln derer, die von einer Krankheit wieder genesen sind, oder wie das beglückte Lachen dessen, der nach einem Unfall wieder gelernt hat, zu gehen oder wie das getroste Lächeln derer, die getröstet wurde in ihrer Trauer.

Ich glaube, dass das Lächeln der Getrösteten und die stille Fröhlichkeit der Zufriedenen und Dankbaren allemal lebendiger sind als der Brüller und das Triumphgeschrei.
Ich stelle mir vor, dass Jesus am Ostermorgen gelächelt und gestrahlt hat, voller Liebe und Barmherzigkeit. Und in diese Liebe und Barmherzigkeit gehören wir alle mit hinein!
In Psalm 126 heißt es: Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden, dann wird unser Mund voll Lachens sein“  -  und in der Feldpredigt bei Lukas sagt Jesus selbst: „Die, die ihr jetzt weint,  - ihr werdet lachen.“

Liebe Gemeinde, seit Ostern gehört dieses befreite Lachen zu uns. Weil Jesus auferstanden ist, weil er den Tod überwunden hat, haben wir Hoffnung, können wir uns freuen, dürfen wir lachen, auch wenn so vieles im Argen liegt.

Mit dieser Hoffnung können wir durchhalten, unter besonderen Bedingungen unsere Arbeit tun und vor allem für die da sein, die unserer Hilfe jetzt besonders brauchen.

Ostern, die Auferstehung Jesu bedeutet, dass es Hoffnung und Veränderung gibt, auch wenn alles dagegen spricht, ja, dass immer wieder Neues aufbrechen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und frohes Osterfest.
Ihre Pfarrerin Ursula Braxmaier