Gedanken zu Palmsonntag


Zu einem russischen Popen kam ein Besucher, der ihm wortreich beweisen wollte, dass es Gott nicht gibt und dass es sinnlos ist, an Gott zu glauben.
Er schilderte das Elend und die Not in der Welt; er verwies auf die Gewalt und den Krieg, auf Krankheiten und Tod, auf Flüchtlingselend und Einsamkeit.
„An einen Gott, der das alles zulässt, kann ich nicht glauben!“ sagte der Mann am Ende.
Der Priester antwortet: „Das macht nichts! Gott glaubt an dich!“

Liebe Gemeindeglieder,
wir feiern am Sonntag den Palmsonntag.
Die biblische Geschichte dazu berichtet von Jesu Einzug in Jerusalem.
Die Menschen jubeln Jesus beim Einzug zu, sie rufen ‚Hosianna‘
und schwenken Palmzweige, um ihn als König und Messias zu begrüßen.
Wir wissen, wie schnell die Jubelrufe in Hasstiraden umgeschlagen sind.
„Kreuzige ihn!“ heißt es wenige Tage später.

Der König, der da in Jerusalem einzieht, passt nicht in die Erwartungen der Menschen.
Er kommt nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel. Er kommt nicht,
um zu herrschen, sondern um zu dienen. Er kommt nicht, um mit Macht
und Gewalt zu regieren, sondern um zu leiden.

In diesem Einzug Jesu in Jerusalem zeigt sich, dass Gott zu uns kommt, um
uns zu dienen und für uns da zu sein. Er steht auf der Seite der Menschen,
die krank und verzweifelt sind, die nach Hilfe und Gerechtigkeit schreien.
Es mag sein, dass viele sich in diesen Tagen fragen: „Wo ist Gott? Wie
kann er das zulassen?“

Zweifel und Verzweiflung schaffen sich in unseren Gedanken und Herzen Raum.
Die Sorge um unsere Angehörigen und um uns selbst versuchen uns zu bestimmen.
Da hinein hören wir die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem;
wir hören, dass Gott zu uns kommt in Leben, in unser Leid und unsere Sorge.
Und da hinein klingen auch die Worte des Priesters aus der Geschichte oben an den
Zweifelnden: „Gott glaubt an uns!“

Am Palmsonntag werden in katholischen Häusern Palmzweige gebunden und normalerweise im Gottesdienst gesegnet. Die Palmsträuße werden dann hinter das Kreuz oder in den Herrgottswinkel in der Stube gesteckt.
Sie sind – auch für uns evangelische Christen – Zeichen, dass Gott in unseren Häusern und Herzen wohnen will, dass er dabei sein will, wenn wir in Not und Sorge sind, wenn wir zweifeln und verzweifeln.

Gott glaubt an uns! Er ist für uns – im Leben und im Sterben.
Vielleicht binden wir in diesem Jahr auch einmal einen Strauß aus Palmzweigen und stellen ihn in oder vor unsern Häusern auf. Vielleicht ermutigt uns dieses sichtbare Zeichen, dass Gott in unsern Häusern und Herzen wohnt.
Das wünsche ich uns von Herzen!    

Ihre Pfarrerin Ursula Braxmaier

Gebet

Gott,
du kommst zu uns und willst einziehen in unsere Häuser und Herzen.
Wir bitten dich:
Sei mit deinem Wort bei uns und stärke unseren Glauben.
Mach uns gewiss, dass du für uns bist, auch wenn alles gegen uns zu sein scheint.
Gib Gewissheit den Zweifelnden und Fragenden.
Schenke deine Nähe den Einsamen und Obdachlosen.
Hilf den Helfenden.
Gib Weisheit den Verantwortlichen,
Schütze die Schutzsuchenden.
Begleite die Kranken und Sterbenden.
Komm zu uns in diesen Tagen der Sorge und Angst.
Hilf, dass wir in Gedanken und im Gebet zusammenstehen und
sich so Glaube, Hoffnung und Liebe ausbreiten.
Amen.