Gedanken zum Muttertag

Es ist wieder so weit: Am Sonntag ist Muttertag!

Am Muttertag soll der großen und kleinen, der lauten und auch der stillen Leistungen der Mütter gedacht werden. Gerade in diesem Jahr, in Zeiten von Corona, leisten die Mütter ja besonders viel, finde ich zumindest: Viele Mütter arbeiten zuhause im Homeoffice. Nebenbei müssen die kleinen Kinder, die im Moment nicht in den Kindergarten können, beaufsichtigt und bespaßt werden. Mit den Schulkindern müssen Aufgaben erledigt und nebenbei muss auch noch Streit unter den Geschwistern geschlichtet werden. Ach, und das Mittagessen, das muss auch noch auf den Tisch. Und wer bastelt in diesem Jahr überhaupt mit den Kindern die Muttertagsgeschenke oder lernt mit ihnen Gedichte auswendig, was sonst immer die ErzieherInnen und LehrerInnen übernommen haben? Ich kann mir vorstellen, dass viele Mütter zur Zeit an die Grenzen ihrer Kraft und ihrer Geduld kommen. Denn auch (wir) Mütter sind keine Menschen und keine Übermütter.

Wenn ich mir das Mutterbild in der Bibel anschaue, dann begegnet mir da ganz Unterschiedliches, und auch sehr Tröstliches. Im Profeten Jesaja steht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“. Dieses Bibelwort weist auf die weibliche Seite Gottes hin und beinhaltet auch einen Teilaspekt des ganz biblischen Mutterbildes, das sehr vielfältig, häufig auch widersprüchlich beschrieben wird. Die Bibel spricht nicht von der „einen Mutter“, stattdessen werden menschliche Mütter nachgezeichnet in all ihrer Vielfalt. Frauen können ihre Mutterschaft annehmen und in freier Verantwortung gestalten. Das macht die Mütter der Bibel menschlich. Es gibt Frauen wie Sara, die erst in hohem Alter ein Kind gebiert; Hagar, die Magd von Sara und Abraham, die zunächst an Stelle Saras ein Kind bekommt und nach der späten Geburt von Sara selbst in die Wüste geschickt wird und die damit die erste Alleinerziehende der Bibel wird. Es gibt Mütter, die eines ihrer Kinder bevorzugen und zu dessen Gunsten sogar Intrigen spinnen: Rebekka, Isaaks Frau, bringt den zweitgeborenen und von ihr bevorzugten Sohn Jakob dazu, sich mit einer List das Recht des Erstgeborenen zu erschleichen und Esau darum zu betrügen.

In der Bibel gibt es also Mütter, die ihre Kinder ungleich behandeln, sie erzählt von nichtgewollter Mutterschaft und Kinderlosigkeit. Mütter geben ihre Kinder weg, Mütter sterben zu früh und da ist sogar eine Mutter, die ihr Kind in einem Weidenkörbchen aussetzt –ansonsten wäre Moses direkt nach seiner Geburt getötet worden.

Irgendwo in dieser ganzen Vielfalt können wir Frauen uns selbst und wir alle unsere Mütter wiederfinden. Liebevoll, zu jedem Einsatz bereit, manchmal ungerecht und gemein, einfach menschlich. Mütter sind am Ende auch „nur“ Frauen mit vielfältigen Eigenschaften. Und die Mütter der Bibel beweisen mir: das ist völlig in Ordnung so!

Wie gehen wir mit den Erfahrungen mit unseren Müttern um? In manchem versuchen wir ja, unseren Müttern nachzueifern. Andere Erfahrungen wollen wir dagegen auf keinen Fall übernehmen. Diese Charakterzüge sind es, wegen denen wir sagen: niemals will ich werden wie meine Mutter.
Unabhängig davon sind diese Erfahrungen prägend für uns: unsere Mütter beeinflussen uns stark und geben uns viel mit, entweder Handwerkszeug oder Gepäck. Noch im Erwachsenenleben brauchen wir in schwierigen Situationen oft unsere Mütter, insbesondere wenn wir Trost, Halt und Hilfe brauchen.
Aber auch dann, wenn die Mutter fehlt, aus welchen Gründen auch immer, sagt uns das Bibelwort des Jesaja Trost zu. Denn da ist Eine/Einer, die uns trösten kann und wird, wie es eine Mutter kann. Denn „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Vielleicht ist das jetzt gerade, aber nicht nur in Zeiten von Corona, eine ganz gute und tröstliche Botschaft nicht nur für uns Mütter. Gott will uns trösten und Mut machen, wie eine Mutter tröstet und Mut macht. Das tut gut!

Etwas von dieser Erfahrung wünsche ich allen Müttern am Muttertag.
Ihre Ursula Braxmaier