Evangelische Kirche ermöglicht Abendmahlsfeiern in den Familien

Jetzt in der Karwoche und in der Osterzeit spielen Abendmahlsgottesdienste eine große Rolle für viele Christinnen und Christen. Nach biblischer Überlieferung hat Jesus am Vorabend seiner Hinrichtung am Kreuz mit seinen Anhängern und Freunden - den Jüngern - das Abendmahl gefeiert. Bei diesem festlichen Abendessen hat Jesus Christus mit seinen Jüngern das Brot und den Wein im Kelch geteilt: Sie sollten das immer wieder tun und sich dabei an ihn, sein Leben und seine Botschaft erinnern. Christen glauben, dass Jesus Christus präsent ist, wenn sie Brot und Wein miteinander teilen.

Die Corona-Krise stellt auch in diese Hinsicht die Gläubigen und die Kirche vor eine große soziale und geistliche Herausforderung: Um Ansteckung zu vermeiden, dürfen auf staatliche Verordnung hin bis auf weiteres keine öffentlichen Gottesdienste gefeiert werden. An Karfreitag und Ostern, die als höchste christliche Feiertage gelten, müssen die Christen aller Konfessionen ohne gemeinschaftlich gefeierte Gottesdienste auskommen. Ältere Gemeindeglieder erinnern sich, dass sonst in Notzeiten - wie z.B. bei schlechten Ernten -zusätzliche Gottesdienste gefeiert wurden. Dass solch wichtige Gottesdienste ausfallen, ist neu und ungewöhnlich.

In diesen Wochen haben viele Kirchengemeinden überlegt, wie sie trotz Kontaktverbot Gottesdienste feiern könnten. Schon früh haben sie kreative Wege gesucht und beschritten: Mittlerweile findet sich eine große Fülle von Predigten, Gebeten und anderen geistlichen Texten im Internet oder in gedruckter Form. Schriftliche Grüße von Pfarrerinnen und Pfarrern und Gemeindebriefe knüpfen eine Verbindung zu den Gemeindegliedern. Instrumental-Musik zur Passion findet sich neben Chorälen und Segensliedern auf den Internet-Seiten der Kirchen und Gemeinden. An vielen Orten werden Andachten und Gottesdienste gefilmt, WhatsApp-Gottesdienste gestaltet und über verschiedene Kanäle verbreitet. Die Links dazu finden sich auch auf der Homepage des Evangelischen Kirchenbezirks Gaildorf.

Gerade jetzt in der Karwoche ist das Bedürfnis vieler Christinnen und Christen aber besonders groß, auch das Abendmahl zu feiern. Sicher werden am Karfreitag Abendmahlsgottesdienste im Fernsehen übertragen; aber dabei bleibt man letztlich nur Zuschauer.

Hier eröffnet die Evangelische Landeskirche nun einen besonderen Weg, damit ihre Gemeindeglieder auch in dieser Krisenzeit Abendmahl feiern können. Der Oberkirchenrat hat beschlossen, den Familien die Abendmahlsfeier im häuslichen Kreis am Gründonnerstag und Karfreitag 2020 zu gestatten. Normalerweise kann das Abendmahl nur im öffentlichen Gottesdienst gefeiert werden und wird von einer Person geleitet, die von der Landeskirche dafür ausgebildet und beauftragt ist. Davon wird in dieser Notsituation nun abgesehen: Familien und Hausgemeinschaften dürfen anhand einer eigens herausgegebenen Liturgie miteinander feiern, Brot und Wein teilen.

Der Oberkirchenrat betont, dass dieses nun ermöglichte Abendmahl im Familien- bzw. Haushaltsverband zu feiern sei. Das Versammlungsverbot soll auf keinen Fall umgangen werden. Die üblichen Regeln des Abstandhaltens und hygienischer Vorsichtsmaßnahmen seien selbstverständlich einzuhalten. Daher werde man nicht mit dem Gemeinschaftskelch feiern.

Die Liturgie für die Feiern in der Hausgemeinschaft oder Familie enthält auch Hinweise zur Gestaltung. Gedacht ist dabei auch daran, dass Kinder das Abendmahl mitfeiern können.

Das Dekanatamt Gaildorf hat aus dieser Vorlage eine kleine Broschüre mit Liedern und einer Geschichte zusammengestellt. Diese Broschüre liegt in der Gaildorfer Stadtkirche aus (täglich geöffnet von 9:00 - 17.00 Uhr). Sie kann im Dekanatamt in entsprechender Stückzahl kostenlos angefordert (Tel. 6266, dekanatamt.gaildorf(@)elkw.de) oder bei den örtlichen Pfarrämtern nachgefragt werden. Außerdem kann man sie auf dieses Homepage herunterladen. Klicken Sie dazu hier ...

Ihr Dekan
Uwe Altenmüller