Der Tod ist verschlungen in den Sieg

Votum

Christus ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden!
Halleluja!

Auch wenn wir dieses Jahr Ostern nicht wie gewohnt feiern können. Ostern fällt dadurch nicht aus. Auf vielfältige Weise sind wir miteinander verbunden. Denn dies ist unser Glaube und unsere Hoffnung. Christus ist erstanden. Deshalb lasst uns fröhlich sein. Ansprache

Ansprache

Liebe österliche Gemeinde!
Ostern ist ein Neuanfang. Die Auferstehung von Jesus verändert die Welt. Sie verwandelt den Tod. Sie berührt unser Leben. Denn Gott schenkt uns mit Ostern neue Hoffnung.

Vor beinahe 2000 Jahren hat der Apostel Paulus versucht, dies in Worte zu fassen. Er schrieb an die Gemeinde in Korinth:
„Der Tod ist verschlungen in den Sieg.
Tod, wo ist dein Sieg?
Tod, wo ist dein Stachel?
... Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“

Liebe Gemeinde!
Im Grunde geht es hier um eine Frage, die in der Tiefe unsere Existenz bestimmt:
Steht über unserem Leben im Letzten ein Ja oder steht darüber ein Nein?

Die Botschaft des Ostergeschehens lautet:
Über unserem Leben steht ein ganz großes Ja.
Ein Ja, das unsere Jahre umschließt, unser Glück und unsere Sorgen, unser Kommen und Gehen, unser Lachen und Weinen und auch unser Sterben.

Und wenn Sie von dieser Videobotschaft alles vergessen und doch einen Nachhall spüren in Ihrer Seele von dem großen Ja Gottes, dann haben Sie genug.

Paulus hat dieses Ja Gottes gehört.
Dieses Ja hat sein Leben aus den Angeln gehoben.
Es hat seine Tage verwandelt und geprägt.

Immer wieder hat er versucht, dieses Ja durchzudenken, zu übersetzen und hinauszutragen in die Welt.
Er ist durch Städte und Länder gehetzt.
Er hat sich auslachen lassen, verprügeln, gefangen nehmen. Und er hat sein Leben riskiert.
Denn der Auferstandene hat „ja“ zu ihm gesagt.
Und dieses Ja will und muss er weitersagen.

Liebe Gemeinde!
Ostern heißt Ja.
Und dieses Ja gilt einem jeden von uns.

Dieses Ja gilt dem jungen Menschen, der aufbricht, mitten ins Leben hinein - voller Pläne und Hoffnungen. Und der jetzt in der Corona-Krise nicht weiß, wie es weitergeht. Mit der Schule und den Prüfungen oder mit dem neuen Semester. Oder mit der für dieses Jahr geplanten Hochzeit.

Das Ja von Ostern gilt dem alten Menschen, der erlebt, wie Verluste sich häufen. Der spürt, wie seine Kräfte nachlassen und er Lebensmöglichkeiten einbüßt. Und das Ja gilt den Großeltern und Eltern, die dieses Ostern so gerne mit Kindern und Enkeln gefeiert hätten.

Das Ja gilt dem Menschen in der Mitte der Jahre, der zum ersten Mal verwundert an eigene Grenzen stößt.
Und es gilt denen, die um ihre Arbeitsstelle oder um die Existenz ihrer Firma bangen in Zeiten der Corona-Krise.
 
Es gilt auch allen Familien, denen das Kurzarbeitergeld nicht vorn und nicht hinten reicht. Und die nicht wissen, wie es mit der Rückzahlung ihrer Kredite weitergehen soll.

Über Glück und Gelingen und über dem, woran sich unsere Gedanken wund reiben, über all dem steht seit Ostern im letzten Gottes großes Ja.

Aber dieses Ja von Ostern ist kein billiges Ja.
Trotz dieses Jas müssen wir Scheitern und Versagen aushalten,
Ungerechtigkeit und Not, Krankheit und Sterben.
Der Sieg von Ostern ist nicht anders als verschlungen zu haben.

Solange wir hier auf dieser Erde leben, werden wir Gottes Ja immer nur gebrochen erfahren. Wir werden den Stachel des Todes spüren. Denn das neue Leben begegnet uns noch nicht unverstellt. 

Doch die Entscheidung ist schon gefallen, weiß Paulus.
Gottes Ja wird die Oberhand behalten über alle Mächte, die das Leben bedrohen.
Gottes Ja zum Leben ist stärker als der Tod, auch wenn es umgekehrt aussieht.

„Der Tod ist verschlungen in den Sieg.
Tod, wo ist dein Stachel?
Hölle, wo ist dein Sieg?“

Wenn jemand ein Lachen gehört hat in diesen Worten, dann hat er richtig gehört.
Es ist das Lachen eines Menschen, der frei geworden ist. Frei von der Angst, dass der Tod das letzte Wort behalten wird.
Es ist das Lachen eines Menschen, der den Tag begrüßt und das Licht der Sonne. Auch wenn noch Dunkelheit um ihn herrscht.
Aber am Horizont zeichnet sich ein schmaler Streifen Dämmerung ab.

Den Sieg in Händen halten werden wir erst, wenn diese Welt für uns vergangen ist. Und wenn Gott alles in allem ist. Aber das Lachen könnte schon beginnen.
Und das neue Leben auch. Ein Stück weit wenigstens.

Eine Ahnung dessen, dass die Wahrheit bei Ostern ist und nicht bei dem, was vor Augen liegt, eine Ahnung davon sollte uns nicht mehr aus dem Sinn kommen.

»Christ ist erstanden«. Wenn wir die Botschaft von Ostern im Ohr haben, dann kann unser Herz ruhig werden und fest.

Und dann begreifen wir auch, was zu tun ist. Gott schenkt uns Leben. Lasst uns unser Handeln daran ausrichten.
Wir können diese Ostern nicht als Gottesdienstgemeinde in der Kirche feiern. Wir können in der Familie nicht in großem Kreis zusammen kommen mit Jung und Alt.
Nicht, weil uns das von Land und Staat so aufdoktroiert ist, verzichten wir darauf. Sondern um Leben zu bewahren. Leben, das Gott geschenkt hat.
Ostern fällt dadurch nicht aus. Lasst uns den Mut zum Leben aus dem Sieg am Ostermorgen schöpfen. Und lasst uns die Zeit, die wir haben, nutzen in der Zuversicht, dass keine Stunde mehr vergeblich ist.

Ostern heißt Ja.
Zwar: Der Tod hat viele Stimmen, sein Nein hören wir überall. Gott aber lasse uns das Ja hören und nie mehr vergessen.

Amen

Wichtige Impulse für die Andacht verdanke ich eine Predigt des ehemaligen Reutlinger Prälaten Theophil Askani aus dem Jahr 1974
Andreas Balko

Fürbitte

Lass Ostern werden für Menschen,
die in Angst leben vor Krankheit und Tod. Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich ...
Lass Ostern werden für die,
die immer nur Kränkungen und Demütigungen erfahren und zu zerbrechen drohen.
Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich ...

Lass Ostern werden für die,
die fertig sind mit sich, mit der Welt, mit den Menschen.
Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich ...

Lass Ostern werden für die Menschen,
die scheinbar keiner braucht, die sich nutzlos und abgeschoben fühlen.
Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich ...

Lass Ostern werden in einer Welt,
in der Macht und Geld regieren.
Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich ...

Lass Ostern werden dort, wo Eitelkeit und Streit Beziehungen töten.
Zu dir rufen wir: Herr, erbarme dich ...

Auferstandener Herr,
hilf uns,
dass Ostern wird auf dieser Erde,
in unserem Lebenskreis
und in unserer Seele. Amen