Predigt für den Sonntag Rogate

Warum sollen wir eigentlich beten?
Was nützt das?
Ich habe versucht, 10 Gründe für das Beten zusammenzutragen.

1. Beten trägt zur Gesundheit bei

Ich möchte dieses Argument nicht überstrapazieren.
Denn mir ist bewusst, dass oft genug Menschen krank werden, die tief religiös sind und regelmäßig beten.

Beten ist also ganz gewiss kein Garant für Gesundheit.
Und in der Bibel haben gerade oft ganz fromme Menschen viel zu leiden.

Dennoch finde ich es spannend, was Professor Dale Matthews aus den USA herausgefunden hat.
Er hat 325 Studien ausgewertet.
In über 75 Prozent der Untersuchungen gibt es demnach Belege dafür, dass religiöses Leben hilft, Krankheiten vorzubeugen, schneller gesund zu werden und länger zu leben.
Professor Dale Matthews nennt das Gebet die „Arzttasche Gottes“.
Wir Menschen sollten so oft wie möglich hineingreifen in diese Arzttasche, meint er.
Vielleicht ist etwas dran!
Schaden kann es sicherlich nicht. Denn Beten hat keine unerwünschten Nebenwirkungen.

2. Jeder Mensch ist nur ein Gebet weit von Gott entfernt.

Wo kann ich Gott begegnen?
Eigentlich ist er ja überall.
In jeder Blume und in jedem Tier, im Sonnenuntergang und im Sturm, auf dem Berggipfel und im Wald.
Viele Menschen sagen deshalb, sie finden Gott in der Natur.

Trotzdem schafft diese Nähe Gottes in der Natur noch keinen persönlichen Kontakt.
Das gelingt nur im Gebet.

Beim Beten kann ich zu Gott reden wie mit einem guten Freund.
So komme ich Gott nahe, gewinne Verbindung mit ihm.

Jesus macht in seinen Gleichnissen und Reden sogar deutlich, dass man Gott mit einem Gebet sogar "nerven" darf.
Gott hat immer Sprechzeit, selbst wenn andere längst schlafen.

3. Das Gebet unterbricht den Lauf der Dinge

Meistens sind wir voll drin im Alltagsgetriebe.

Wir werden getrieben und gehetzt von der Zeit.
Wir sind getrieben von den Anforderungen, die von außen an uns gestellt werden.
Und wir sind getrieben von unseren eigenen Erwartungen und Sehnsüchten.

Das alles sehen wir als unvermeidlich an.

Wenn ich aber bete, unterbreche ich den normalen Ablauf des Tages.
Für die Zeit des Gebets werde ich herausgenommen aus dem Getriebensein.
Ich gewinne Distanz zu mir selbst, zu dem, was mich beschäftigt.
Meine Gedanken ordnen sich.
Ich löse mich aus der Umklammerung durch meine Sorgen.
Ich komme zur Besinnung.
Ich bin nicht länger ein Gefangener meines Alltags.
Ich entdecke mit einem Mal Handlungsspielräume und Alternativen.

Wer betet, kann sich also selbst davon abhalten, besinnungslos zu werden.
Wer betet, der überlässt sich nicht mehr dem Trott.

4. Aus dem Beten erwächst Dankbarkeit

Das hängt ganz eng mit dem letztgenannten Grund für’s Beten zusammen.
Wo ich durch das Beten aus dem Alltagsgetriebe herausfinde, da entdecke ich, dass ich beschenkt bin.
Ich gewinne einen neuen Blickwinkel.

Vieles, was mir vorher ganz selbstverständlich war, sehe ich neu.
Sei es mein Leben, meine Familie, meine Arbeit, meinen Urlaub.
So kommt Dankbarkeit ins Leben hinein.
Und diese Dankbarkeit tut mit selber unendlich gut.

5. Beten tröstet

Wer sich an Gott wendet, wer seinen Kummer Gott anvertraut, kann auf Trost von Gott hoffen.
Im Gebet wird mir bewusst, dass ich nicht allein bin.
Gott ist mir nahe.
Er hört meine Sorgen an.
Er nimmt Anteil an meinem Leid.

Wo ich mich nicht allein weiß in meinem Kummer, da kann ich Geborgenheit spüren.
So kann ich im Gebet zur Ruhe kommen.
Und meine Seele kann aufatmen.

6. Zweifel und Klagen aussprechen tut gut

Wie kann es sein, dass solches Unglück geschieht?
Wie kannst Du, Gott, das zulassen?

Solche Gebete gibt es, seit Menschen glauben.
In den Psalmen gibt es ganz viele Beispiele davon, wie Menschen sich gerade in der Katastrophe mit ihrem Zweifel und ihrer Klage an Gott wenden.

Es tut gut, wenn die Klage und der Zweifel ausgesprochen werden.
Wenn sie ein Gegenüber haben.
Nur so komme ich heraus aus dem Bann des Negativen.

7. Wer betet, darf so reden, wie es ihm ums Herz ist

Wer betet, braucht keine geschliffenen Formulierungen oder besonderes Sprachvermögen.

Wir können einfach reden, wie wir eben können, in Mundart, stammelnd, nach Worten ringend – ja, selbst stumm.
Ich kann mir aber auch Worte ausleihen, egal ob es das Vaterunser ist, ob Psalmen oder Gebete ganz anderer Menschen.

Gerade wenn einem selbst die Worte fehlen, hilft es sehr, dass es Formulierungen und Formeln gibt.
Die können wir nachsprechen und mitsprechen.

8. Beten schafft Gemeinschaft

Wer im Gebet an andere denkt, für andere bittet, bleibt nicht bei sich allein.

Oft kreisen unsere Gedanken nur um uns selbst.
Um das, was mir Sorgen und Angst macht.
Um Konflikte und Probleme.
Um das, von dem ich meine, ich brauche es unbedingt.
Wenn ich für andere bete, finde ich aus meiner Selbstbezogenheit heraus.
Mir wird bewusst, was die Menschen um mich herum für mich bedeuten.
Ich stelle mich in eine Gemeinschaft mit ihnen.
Ich nehme Anteil an ihrem Schicksal.
Ich spüre: Wir gehören zusammen.
Und wie gut tut das, wenn jemand wissen darf: Da betet einer für mich!

9. Nicht alles allein schaffen müssen

Beten ist eine Haltung, die davon ausgeht, dass ich nicht alles allein schaffen muss.

Zwar: Es gibt zwar keinen Automatismus, dass das Gebet meine Probleme löst.
Es verändert nicht immer meine Situation, aber es kann meine Einstellung zum Leben verändern.
Und Beten heißt auch nicht, dass ich meine Hände in den Schoß legen und alles Gott überlassen kann.
Aber mir wird bewusst, dass nicht alles von mir abhängt.
Ich vertraue darauf, dass da jemand ist, der mir helfen kann.
Gott kann mir helfen, meine Aufgaben zu bewältigen, meine Probleme zu bewältigen.
Er kann mir Kraft zuströmen lassen.
Er kann mir Wege eröffnen, wo ich vielleicht nur Sackgassen sehe.

Das ist unheimlich entlastend.
Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass Beten gesundheitsfördernd sein kann.

10. Und letztens: Beten wirkt

Menschen haben immer wieder erfahren, dass Beten wirkt.

Es gibt viele Erklärungsversuche, warum Beten hilft - und das nicht nur dem Beter selber.

Die erste Erklärung: Beten verwandelt mich.
Ich schöpfe im Beten neue Hoffnung für die Situation.
So gehe ich entspannter in die Situation und das verändert auch die anderen Menschen.
Das ist eine psychologische Erklärung.

Es gibt noch eine zweite Erklärung, die aber auch noch auf der psychologischen Ebene liegt:
Das Beten erzeugt eine positive Atmosphäre.

Die positiven Gedanken, die ich im Gebet habe, erreichen so auch die anderen Menschen.

Die dritte Erklärung: Ich vertraue darauf, dass Gott mein Bitten hört.

Und ich vertraue darauf, dass Gott durch seinen Geist in mir und in den Menschen, für die ich bete, wirkt.

Dieses Wirken können wir nicht näher erklären.
Aber die Menschen aller Zeiten haben diesen Glauben gehabt, dass unser Beten nicht wirkungslos bleibt.
Sondern Gott hört unser Beten und erhört es.

Aber Gott nimmt nicht einfach Bestellungen auf.
Wir können nicht erwarten, dass Gott einfach alles erfüllt, was wir erbitten.

Beten heißt vielmehr, seine Hoffnungen in den Himmel werfen.
Was Gott daraus macht, das ist seine Sache.

Überlassen wir es Gott, wie er wirkt und wie er handelt auf unser Gebet hin.
Er meint es auf jeden Fall gut mit uns.

Amen.