Eine Kraft, die frischen Wind in den Alltag bringt

Feiertage gliedern den Jahreslauf:
Nach Weihnachten kommt die Passionszeit mit Palmsonntag und Karfreitag.
Darauf folgen Ostern, Christi Himmelfahrt.
Und dann ist es schon fast Pfingsten.

Aber was feiern wir eigentlich an Pfingsten?
Eine Zeitschrift fragte die Deutschen nach ihrer Meinung.
Viele Befragte verwechselten das Pfingstfest mit Ostern oder Christi Himmelfahrt.

Und wie lautet die richtige Antwort?
Zu Pfingsten feiern die Christen die Sendung des Heiligen Geistes.
Das wussten gerade einmal 33 Prozent aller Befragten.

Woher kommt das?
Ich stelle mir das so vor:
Weihnachten, Karfreitag und Ostern sind einigermaßen fassbar.
Mit diesen Festen kann man etwas Sichtbares verbinden: Stall, Kreuz und leeres Grab.
Oder wenigstens: Christbaum und Ostereier.
An Pfingsten aber kommt kein Christkind und auch kein Osterhase.
Und an Pfingsten gibt es auch keine Geschenke.

An Pfingsten gibt es nichts zu sehen.
Vielleicht tun wir uns deshalb so schwer mit diesem Fest.

Zwischenspiel

Ich habe für Sie etwas zum Sehen.
Bilder - die haben etwas mit Pfingsten zu tun.

(Können Sie erkennen, was darauf zu sehen ist?)
[Hochhalten]

Auf beiden Bildern sind Windräder zu sehen.
Ein kleines Windrad.
Und ein großes Windrad.
Wenn Sie dieses Windrad ärgert, nehmen wir halt diese alte, schöne Windmühle.

So ein kleines Windrad, das kann man zum Beispiel auf dem Cannstatter Wasen kaufen.
Auf dem Frühlingsfest.
Oder auf dem Jakobimarkt kann man es kaufen.
Oder auf der Muswiese.
Na ja, dieses Jahr nicht.
Wegen Corona finden diese Feste ja nicht statt.
Aber irgendwann schon mal wieder.

So ein Windrad kann man in den Wind halten.
Und dann dreht es sich in bunten Farben im Wind.

Ja, und dann gibt es seit einigen Jahren ganz große Windräder.
Die sind nicht zum Spaß gedacht.
Die erzeugen Strom.
Manche von ihnen sind zweihundert Meter hoch.
Und höher.
Und man kann sie schon von weitem sehen.

Zwei Windräder.
Ein kleines buntes.
Und ein großes.

Und beide sollen etwas mit Pfingsten zu tun haben, habe ich behauptet.
Ja, beide sind für mich ein Symbol für Pfingsten.


Ich denke, wir Menschen, wir brauchen Bilder und Symbole, um den Kern einer Sache zu begreifen.

Zwischenspiel

Aber was haben diese Windräder jetzt mit Pfingsten zu tun?
 
Hören wir (noch) einmal auf den Bericht vom Pfingstereignis, (das uns der Evangelist Lukas in seiner Apostelgeschichte überliefert hat.)

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an "einem" Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

Haben Sie’s gemerkt?
Das Kommen des Heiligen Geistes wird in dieser Geschichte mit einem gewaltigen Wind verglichen.
Deshalb also die Windräder.
An Pfingsten erinnern wir uns, dass Gott durch seinen Heiligen Geist immer wieder „frischen Wind“ in unser Leben bringt.
Damit bringt Gottes Geist auch wieder Farbe in das Grau in Grau des Lebens.

Und wir werden daran erinnert, dass dieser Geist uns neue Energie bringt.
So wie der Wind das große Windrad antreibt,
damit es Energie, Strom erzeugen kann.
Von sich selber kann sich das Windrad nicht drehen.

Und jetzt denken wir an die Jünger und Jüngerinnen, die beieinander sitzen.
Sie haben erlebt, dass Jesus lebt.
Aber sie wagen nicht, es anderen weiterzusagen.

Sie sitzen hinter verschlossenen Türen ohne Mut.
Aber sie sind voller Angst, dass sie auch verfolgt und verhaftet werden.

Doch dann schenkt Gott ihnen seinen Geist.
Sie verspüren neue Kraft und fangen an zu predigen.
Auch Petrus.
Drei mal hatte er am Abend von Jesu Verhaftung seinen Herrn verleugnet.
Nein, den kenne ich nicht.
Ich kenne ihn nicht.
Verflucht will ich sein, wenn ich ihn kenne.

Und jetzt an Pfingsten tritt er vor die Menge und erzählt von Jesus.

Zwischenspiel

Liebe Zusehende! / Liebe Gemeinde!
Hinter verschlossenen Türen aus Angst vor Verfolgung sitzen wir Gott sei Dank nicht.
Eher sind wir in den vergangenen Wochen aus Angst vor dem Corona-Virus in unseren Wohnungen geblieben.
Stay at home.

Aber es sind noch andere Ängste und Erfahrungen, die uns den Mut nehmen und den freien Blick versperren.
Das ist gerade so, als würden wir hinter verschlossenen Türen sitzen.

Das können die Sorgen sein, wie es bei mir weiter geht.
Das kann die Frage sein:
„Was gibt es in meinem Leben, an dem ich mich noch freuen kann?“
Das kann die Enttäuschung über einen Menschen sein, der unfreundlich mit einem umgegangen ist.
Oder man ist traurig, weil man vielleicht schon lange keinen Besuch mehr bekommen hat.
Oder das können die Schmerzen sein, die einen piesacken.

Doch dann kann etwas geschehen, mit dem man nicht zu rechnen wagte.
Trotz Sorgen ist Freude da, über den neuen Tag, der einem geschenkt wurde.
Trotz Schmerzen kann man zuversichtlich sein.
Man rechnet gar nicht mehr mit Hilfe oder Freundlichkeit.
Und plötzlich grüßt der griesgrämige Nachbar oder Mitbewohner freundlich herüber.
Oder man bekommt einen Besuch, ganz unerwartet und aus heiterem Himmel.

Zwischenspiel

Liebe Zusehende! / Liebe Gemeinde!
Das Pfingstfest will neuen Mut machen.
Wir können in unserem Leben mit mehr rechnen, als es uns unsere Erfahrungen sagen.

Wo Gottes Geist am Werk ist, da kommt ein frischer Wind in unser Leben.
Nicht unbedingt wie ein Sturm.
Nein, lieber nicht wie ein Sturm.
Manchmal wie ein leises Säuseln.
Aber trotzdem erfrischend und belebend.

Denken wir an die drückende Hitze mancher Sommertage.
Selbst ein kleiner Windhauch tut uns da schon gut.

Wo Gottes Geist am Werk ist, da kann Neues entstehen.
Da kann sich Sorge in Zuversicht und Missmut in Freundlichkeit verwandeln.

Doch noch ein zweiter Gedanke ist mir wichtig.
Wir können den Heiligen Geist nicht herbeizwingen.
Er weht, wo er will und wann er will.

Grad so wie der Wind in der Natur.

Wenn Neues in unserem Leben geschieht und Unerwartetes, dann ist dies ein Geschenk Gottes an uns, ein Wunder, das uns geschieht.



Und genauso wie wir den Wind draußen nicht herbeizwingen können, genauso wenig können wir es mit dem Heiligen Geist.

Zwischenspiel

Eine Frau hat einmal gesagt:
“Ich glaube an Gott.
Da müsste ich doch viel fröhlicher und zuversichtlicher sein.“
 
Liebe Zusehende! / LiebeGemeinde!
Von „müssen“ kann keine Rede sein.
Vertrauen zu können, wenn die eigene Kraft nicht reicht, fröhlich zu sein auch in der Sorge, das kann man nicht selber machen.
Sondern auch dies ist ein Werk des Heiligen Geistes.

Doch eines können wir, immer wieder darum bitten:
„Tröster der Betrübten,
Siegel der Geliebten,
Geist voll Rat und Tat,
starker Gottesfinger,
Friedensüberbringer,
Licht auf unserm Pfad:
gib uns Kraft und Lebenssaft,
lass uns deine teuren Gaben
zur Genüge laben.“

Hören wir nicht auf, damit zu rechnen und darauf zu hoffen:
Trost, Rat und Tat, Frieden und Geleit auf dem Weg, all das kann Gott wie einen frischen Wind in unser Leben bringen.

Jedes Windrad kann uns an diese Hoffnung und den frischen Wind Gottes erinnern.
Amen

Die Predigt wurde angeregt durch einen Gemeindebriefbeitrag von Pfarrer Wolfgang Heidenreich aus Mistelbach.