"Singt" - von Andrea Sturm-Masanek - 10.05.2020

Gemeinsames Singen

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Psalm 98: 
"Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder."

Liebe Mitchristen,

vielleicht ist Ihnen gerade gar nicht zum Singen zumute!

Unser normales Leben ist eingeschränkt, vielen fehlen die Kontakte zu Familienmitgliedern und Freunden, und jeden Tag erreichen uns neue Nachrichten über den Stand der "Corona-Pandemie" und ihre Folgen. Vieles, was wir hören, stimmt uns eher sorgenvoll, als dass es uns beruhigt. Wenn man dann seine Gedanken mit keinem teilen kann, ist das erst recht nicht leicht zu verkraften.

Und nun werden wir heute zum Singen aufgefordert. "Singt Gott ein neues Lied!"

Damit ist, denke ich, nicht gemeint, dass wir unbedingt ein uns unbekanntes Lied neu lernen müssen und nur das für Gott singen können. Es darf auch unser Lieblingslied sein. Ich denke, es geht bei dem "neuen Lied" um etwas anderes.

"Ein neues Lied singen" - das kann heißen: raus aus den Sorgen, raus aus dem Klagen. Und neu anfangen, Gott zu loben. Den Gott, der Wunder tun kann.

Manche fragen vielleicht jetzt gerade: warum tut er denn kein Wunder und stoppt das Virus?

Das ist bisher nicht geschehen. Aber vielleicht hat auch das einen Sinn. Damit uns klar wird, dass wir unser Leben nicht im Griff haben? Damit wir mal erleben: es geht auch mit weniger Dingen? Und dabei entdecken, was lebensnotwendig ist: unsere Verbindungen zu anderen Menschen? Dass wir neu entdecken, was wir aneinander haben, einander bedeuten?!

Wir alle werden -hoffentlich- gegenüber Ärztinnen und Krankenpflegern, Verkäufern, Erzieherinnen und Lehrern, gegenüber Postbeamtinnen und Müllwerkern dankbarer sein und auch bleiben, weil sie für uns sorgen, damit wir alles Lebensnotwendige haben.

Vielleicht können wir in einem Jahr sagen: es ist doch ein Wunder, wie glimpflich wir diese Krise noch überstanden haben. Es ist ein Wunder, was wir alles erfahren und gelernt haben. Und dass Gott sehr wohl auf uns geachtet hat, damit wir alles bewältigen.

Und wir können jetzt schon singen, weil wir darauf vertrauen können, dass Gott dies tun wird. So hat es König David in seinen gesungenen Gebeten, Psalmen der Bibel, oft gemacht. Er hat Gott schon gedankt, wenn die Gefahr noch nicht vorüber war, im festen Glauben, dass Gott ihn durchbringen wird - das hat ihm neuen Mut gegeben!

(Ein wenig können wir heute auch für unsere Mütter singen und sie loben für alles, was sie tun und uns getan haben, weil im Kalender auch der Muttertag steht - oder auch an jedem anderen Tag des Jahres!).

Das andere ist, dass wir uns durch Singen selbst etwas Gutes tun. Wenn wir ein Musikstück hören, noch mehr, wenn wir selber ein Lied singen, verändert sich etwas in unserer Seele. Es fällt Licht in uns hinein und Hoffnung.

Überall haben in den letzten Wochen Leute angefangen zu singen und zu musizieren - für sich und auch für andere: in vielen Gemeinden singen Mitchristen um 19.30 Uhr "Der Mond ist aufgegangen", möglichst draußen oder am offenen Fenster, damit andere es hören, mitsingen oder zuhören.

 

Manche singen die bekannte "Ode an die Freude". Auch in Italien singen und musizieren viele auf den Balkonen und freuen sich miteinander. In Schwäbisch Hall geben ein Musiker und eine Musikerin regelmäßig vor einem Seniorenheim ein kleines Konzert. Die Bewohnerinnen und Bewohner hören vom Balkon aus zu.

Andere Musiker musizieren zu Hause oder in leeren Konzertsälen und man kann am Fernseher oder über das Internet zuhören. Musik hören und besonders das Singen tut uns so gut.

Wenn wir für Gott singen, ihn loben, erheben wir uns aus unserem Alltag und aus unseren Sorgen. Es wird festlicher in unserem Zimmer. Und wir können schon ahnen, wie es sein wird, wenn wir wieder mit anderen zusammen froh feiern können, wenn wir auch wieder Gottesdienste miteinander erleben können - das wird bald der Fall sein!

Bis dahin können Sie, wenn Sie nicht allein singen möchten, doch mal jemand anrufen und sagen: "Sing doch mal dieses Lied mit mir!" Ich stelle mich auch gern zur Verfügung!

Hauptsache, wir singen! Dem Herrn ein Loblied! Denn er tut Wunder!

Amen.

 

Ich drucke Strophen aus den beiden Wochenliedern ab:

Aus: Evang. Gesangbuch 302: Du, meine Seele, singe: 

Du, meine Seele, singe, wohlauf, und singe schön, 
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. 
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd. 
Ich will ihn herzlich oben, solang ich leben wird.

Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil, 
wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, 
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt, 
sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig ungetrübt.

Er weiß viel tausend Weisen zu retten aus dem Tod, 
ernährt und gibet Speise zur Zeit der Hungersnot. 
Gibt schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl, 
und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.

 

Aus: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder plus 56: Ich sing dir mein Lied 

Ich sing dir mein Lied - in ihm klingt mein Leben. 
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben 
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, 
du Quelle des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied - in ihm klingt mein Leben. 
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben 
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen, 
du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.